David Hockney: Untitled No. 535, iPhone-Zeichnung 28. Juni 2009 aus My Window (Ausschnitt)

David Hockney goes digital – iPad Bilder im Neuen Museum Nürnberg

Als David Hockney bereits über 70 Jahre alt war, entdeckte er für sich die App „Bruhes“ auf seinem iPhone, ein Jahr später wechselte er auf ein iPad. Er zeichnete täglich – im Bett liegend – Blumen und schickte sie seinen Freunden, damit sie jeden Morgen frische Blumen bekommen. Dieser Wechsel vom Skizzenbuch hin zum digitalen Device ist für Hockney nicht ungewöhnlich. Die Reproduzierbarkeit von Kunst interessierte den Künstler von Beginn an. Ob Fotokopierer, Faxgerät oder Videoinstallationen – Hockney hat viel experimentiert.

David Hockney goes digital - Ausstellung im Neuen Museum Nürnberg 2026
David Hockney goes digital – Ausstellung im Neuen Museum Nürnberg 2026

Die kleine Ausstellung im Neuen Museum Nürnberg zeigt acht digital entstandene Zeichnungen. Es handelt sich um Editionen anlässlich der Veröffentlichung von „A Bigger Book“ (2016) sowie „My Window“ (2020) im Taschen Verlag. Sie zeigen Blumen in Vasen sowie die Aussicht aus Hockneys Schlafzimmer in Bridlington, East Riding of Yorkshire, im Wandel der Jahreszeiten. Ein Bild wurde mit dem iPhone, sieben Bilder mit dem iPad gemalt.

Die Landschaft von East Riding of Yorkshire ist nicht gerade für florale Üppigkeit oder lodernde Lichtverhältnisse bekannt. Es regnet viel und man denkt eher an Nebel wie bei William Turner. Bei Hockney hingegen strahlen die Blumen bunt und mit sattem bis grellem Grün, Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge sind farbenfroh bis zur Schmerzgrenze in Orange und Pink. Die Bilder vermitteln Lebensfreude, sind aber eher graphisch als malerisch. Und den Bildern fehlt eine gewisse Körperlichkeit, die reale Pinsel, physische Farbe aus der Tube und Leinwand mit sich bringen.

Digitale Signatur vs. Gelddruckmaschine – NFC vs. Inkjet

In der Verbreitung seiner digitalen Kunst verfolgt Hockney jedoch den klassischen, konservativen Ansatz am Kunstmarkt – sieht man einmal vom Versenden der Bilder an Freunde ab.

Die Bilder werden im Inkjet-Druckverfahren in einer Auflage von 250 Stück auf hochwertiges, säurefreies Archivpapier aus Baumwollfasern gedruckt und dann handsigniert. Interessant an dieser Vorgehensweise ist, dass erst durch die Reproduktion und deren Signatur das Kunstwerk zum Sammlerobjekt wird und nicht das Original selbst.

Den digitalen Weg konsequent zu Ende gedacht könnte der Künstler seine Kunstwerke durch Blockchain-Technologie oder NFTs (Non-Fungible Tokens) auch digital signieren und sie so zu fälschungssicheren Unikaten machen.

Mehr Geld verdient ist aber vermutlich mit der konventionellen Vorgehensweise des Druckens und Signierens. Angeblich malt Hockney jeden Tag ein Bild auf seinem iPad. 365 Bilder im Jahr, alle ausgedruckt in einer Auflage von 250 Stück – das ergibt bei einem durchschnittlichen Preis von 30.000 € pro Print (siehe Sotheby’s oder MyArtBroker) gut 2,5 Milliarden Euro.

Der Markt scheint das herzugeben. Vermutlich möchte jedes Museum ein paar Original Hockney-Bilder, denn das generiert auch Besucherzahlen. Selbst Bucheditionen, die 45.000 € kosten sind ausverkauft.

A Bigger Book

David Hockney mit "A Bigger Book"
David Hockney mit „A Bigger Book“ – Foto: Taschen Verlag

„A Bigger Book“ erschien in unterschiedlichen Ausgaben. Die Art Edition (auch SUMO genannt), erschien in einer Auflage von 1.000 Stück. Signiert, mit speziellem Buchständer und einem signierten Druck, kostete sie 45.000 €. Im Antiquariat wird die mittlerweile vergriffene Ausgabe für 84.000 € angeboten. Die Collector’s Edition, in einer Auflage von 9.000 Exemplaren, ebenfalls signiert und mit Ständer, kostet 9.000 € und ist noch erhältlich. (Ein Exemplar ist in der Ausstellung zu sehen – aber unter Plexiglas.)

My Window

Die erste Auflage von „My Window“ in einer Auflage von 1.000 Stück (ebenfalls ausverkauft) kostete 3.500 €. Erhältlich ist aber eine kleine Hardcover-Ausgabe für 15 € (ISBN 978-3-8365-9796-8).

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