Willy Michl: Kofferfabrik 2015 (Artikelbild)

Willy Michl – Live in der Kofferfabrik 2015

Erst ein violetter Steinmarder, dann eine weiße Gämse und schließlich das kosmische Unkenwesen. Hans erschaudert und sucht sich mühsam zu fangen: Willy spreche doch Englisch und könne mit den Außerirdischen sicherlich verhandeln, dass Willy mit seiner Frau statt mit ihm die galaktische Reise antrete. Man brauche im Weltraum doch keine Schafhirten, weil es dort keine Schafe gibt??!

So die Geschichte von Hans und Willy nach übermäßigem Genuss afghanischen Tabaks auf den Knappenhäusern im Höllental bei Garmisch-Partenkirchen. Untermalt von „Purple Haze“, „And The Wind Cries Willy“ (sic) und „Don´t Bogart That Joint My Friend”, eingebettet in die große „Blues Goes To Mountain“-Willy-Michl-Geschichte, zu der auch seine Zeit als Hüttenwirt auf der Knorrhütte der Alpenvereins-Sektion München gehört. Der Alpenverein, der seiner Meinung nach abgeschafft werden muss – ein Verein trübsinniger Investmentbanker (1).

Kurz vor Konzertbeginn in der Kofferfabrik 2015
Kurz vor Konzertbeginn in der Kofferfabrik 2015

Heart on Tongue an der Pegnitz – Talking Blues

Willy Michl fühlt sich sichtlich wohl in der Kofferfabrik bei Bruder Udo (Martin). An diesem Abend ist er einmal mehr der Musikmann, der aufspielt für seine Gäste, die er in seine Welt, in die Welt des Isarindian entführt. Er singt und erzählt vom großen Geheimnis, das beim Volk der Lakota Wakan-Tanka heißt, vom ewigen Eis und von Katmandu, vom Karwendelgebirg‘, von Medizinmännern und der Erdmutter, von Pennälerliebe und vom Kasernenleben als Gebirgsjäger. Lebendig und kraftvoll sprudeln die Geschichten des „Sound Of Thunder“ bis dann „Ois Blues“ is‘ für ihn und die Zuhörer – kosmisch, galaktisch und eben auch in Fürth.

Bildergalerie 1: Willy Michl in der Kofferfabrik am 05. April 2015

Fotos der Bildergalerie: Werner Gensmantel

Der Münchner Bluesbarde liebt es, seine Lieder in große Erzählreigen einzubetten, sie anzuspielen, neu zu arrangieren und mit Anleihen aus der Welt der Musik anzureichern. Und das Publikum liebt es auch.

Das „Leibinger Birnenlied“, quasi eine extended Version des 82er “Left My Home In Munich Town”, spannt einen halbstündigen narrativen Bogen von den erotischen Träumen des Schülers Willy zu seiner Englisch-Lehrerin Mrs. Thielsons, über das Schuleschwänzen und die freie Zeit am Isarstrand, das Trampen nach Amsterdam und die folgende Haft bis zu seinen Erlebnissen bei der Bundeswehr. Michl begleitet seinen Vortrag mit musikalischen Zitaten aus „Sex Machine” (James Brown), „(Sittin’ On) The Dock Of The Bay“ (Otis Redding), „Take A Walk On The Wild Side“ (Lou Reed), „I Feel All Right” (James Brown),, „Fa Fa Fa Fa Fa (Sad Song)” (Otis Redding) und „Give Peace A Chance” (John Lennon/Paul McCartney). Nein, Willy Michl ist kein Cover Sänger. Willy Michl interpretiert und illustriert mit Zitaten in der ihm eigenen Art – verschmitzt pointiert er seine eigenen Geschichten.

Bildergalerie 2: Willy Michl in der Kofferfabrik am 05. April 2015

Fotos der Bildergalerie: Werner Gensmantel

Love, Respect and Honour

Wenn Willy Michl demnächst in seinen 65. Sommer kommt, wird seine Botschaft weiter lauten: Wir dürfen uns nicht gegenseitig verletzen, wir müssen uns lieben, respektieren und ehren. Im Laufe der Jahre hat er seinen eigenen spirituellen Kosmos entwickelt. Er lebt ein indianisches Leben, das Leben eines Isar Indianers. Und er singt, was ihm die Geister ins Herz gelegt haben. (2)

Und in dieses Herz haben sie viel gelegt. Fast vier Stunden lang unterhält er sein Publikum in der ausverkauften Kofferfabrik. Es wurde mitgemacht, mitgesungen und viel gelacht. Ein großartiger Abend mit fantastischem Unterhaltungswert, der keine Zugaben gebraucht hat.

Willy Michl: Kofferfabrik 2015
Willy Michl: Kofferfabrik 2015

Friedener – Freedener

Willy Michl’s letzte offizielle Platte ist Die Antwort aus dem Jahr 1982. Seit dieser Zeit erschienen diverse Neuauflagen alter Aufnahmen, teilweise nur in der Reihenfolge der Tracks abgeänderte Reissues der Originalaufnahmen oder Compilations, so 2014 Bluesinfusion Vol. 1 und Bluesinfusion Vol. 2 sowie Bootlegger.

Diskographie von Willy Michl

Einige seiner Songs hingegen, die sein Publikum seit Jahren von seinen Konzerten kennt, sind bis heute nicht auf CD oder Vinyl erschienen, z.B. „Indian Summer“, „Dream Warrior“, „Rainbow Rider“, „Phoenix“ oder sein neuester Song „Canoe“.

Nach über 30 Jahren plant Willy Michl nun eine neue Platte mit neuen Songs, die Friedener – Freedener heißen soll. Die Lieder dafür sind fertig und er ist bereit zur Aufnahme. „Das wird die beste Willy Michl Platte meiner Karriere werden“, so Michl auf seiner Website. (3) Zur Finanzierung will er ein Crowdfunding Projekt unter startnext.com aufsetzen.

The Other Face – Isarindian Paintings

Willy Michl ist jetzt auch als bildender Künstler unterwegs. Vom 13. November 2014 bis 4. Januar 2015 gab er seine erste Ausstellung unter dem Titel The Other Face im Amberger Congress Centrum.

Bildergalerie: The Other Face Isarindian Paintings

Fotos dieser Bildergalerie von der Website Isarindian und aus dem Facebook-Profil Isarindian

Anmerkungen

(1): „Hütte für eine Million Euro zu verkaufen“ in FOCUS Online von Stefan Ruzas vom 17. Mai 2010: http://www.focus.de/reisen/monte-welt/zugspitze-huette-fuer-eine-million-euro-zu-verkaufen_aid_508981.html

(2): Interview von Galen (Smurfey) mit Willy Michl vom 11. November 2008: http://www.blue-moon-coven.net/artikel/michl/interview.htm

(3): Willy Michl auf seiner Website: http://www.isarindian.eu

Weblinks

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