Tom Waits – Bad As Me

Tom Waits: Bad As Me (2011)
Tom Waits: Bad As Me (2011)

Vor vielen Jahren war ich mit Freunden auf Kreta. In Paleochora, im Südwesten, gab es eine Taverne, die zum Camping-Platz außerhalb des Ortes gehörte. Die Taverne hatte eine wunderschöne Terasse, das Meer war gleich daneben. Fast immer wenn wir an der Taverne vorbeikamen – und das war oft, weil wir noch etwas weiter außerhalb wohnten – kehrten wir ein. Nachmittags, Abends, Nachts. Und immer lief Musik – fast immer das selbe: Die Stones oder Tom Waits.

Tom Waits in Griechenland? Ja, es passt bzw. passte. Die Platten aus den 80ern (z.B. „Rain Dogs“ oder „Franks Wild Years“) hatten etwas sehr Relaxtes. Alles natürlich mit den für Waits typisch schrägen Instrumentierungen und Klängen. Man kann die Zeit leider nicht zurückdrehen, die Taverne wird nicht mehr so sein wie damals (kein Wirt kann es sich auf Dauer leisten, die Gäste so eintönig zu beschallen) und auch die Musik von Waits wurde im weiteren Verlauf immer weniger entspannt.

Für manche Scheiben („Real Gone“, „Glitter and Doom“) muss man schon in besonderer Stimmung sein, um die Musik wirklich gut zu finden. Und dann kommt „Bad As Me“. Das ist jetzt nicht die ruhige, gefällige Platte, die nach Paleochora passen würde und absolut konsensfähig wäre. Hinten spielt die Musik und vorne wellt das Meer und alles passt zusammen. Nein, das nicht. Aber die Platte ist extrem abwechslungsreich und – spannend. Der Opener mit „Chicago“ ist voller Drive und geht ruppig ab wie nichts; übrigens mit Keith Richard an der Gitarre. „Raised Right Men“ ist nur weniger langsam und hat die für Waits typischen sich monoton wiederholenden Tonfragmente. „Talking at the Same Time“ ist geprägt von Slide-Gitarre und einem Falsett-singenden Waits (ja geht denn das?). „Face to the Highway“ ist ein langsames und getragenes Stück mit weichem Gitarrenklang und sich wiederholendem Glockenschlag: „The road wants a man, I turned my back on you“. Die absolute Schmelze ist „Last Leaf“, vergleichbar mit „Waltzing Matilda“. Das Niveau hält – Stück für Stück.

Wenn man die Zeit schon nicht zurückdrehen kann, dann würde ich gerne in einem der nächsten Urlaube mit dem einen oder anderen Stück aus „Bad As Me“ überrascht werden.

Tom Waits: Chicago
Tom Waits: Face to the Highway

 

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