Ting Tings: Mod Club Theatre (2009)

The Ting Tings – Sounds From Nowheresville

Ting Tings: Sounds from Nowheresville (Deluxe Edition) (2012)
Ting Tings: Sounds from Nowheresville (Deluxe Edition) (2012)

Eine Platte wie eine Playlist – die unterschiedlichsten Stile wechseln sich ab. Elektropop, HipHop, Reggae, Rock. Verbindend ist aber die Stimme von Katie White. The Ting Tings sind Katie White (Gesang, Gitarre) und Jules De Martino (Schlagzeug, Gitarre, Gesang), die mit ihrem ersten Album „We Started Nothing“ einigen Erfolg hatten. Shut Up And Let Me Go lief in einem iPod-Spot.

„Sounds From Nowheresville“ ist ihr zweites Album. Die Entstehungsgeschichte war wohl etwas kompliziert. White und De Martino zogen nach Berlin, um sich von der Statdt für ihr neues Album inspiriern zu lassen. Aber das, was sie dort aufnahmen, hat ihnen nicht gefallen. Zu beliebig. So beschlossen sie die fast fertigen Aufnahmen zu „Kunst“ – so hätte das Album heißen sollen – zu löschen. Und sie gingen in die spanische Provinz, um dort einen neuen Anfang zu machen.

Herausgekommen ist ein bunter Mix, der immer wieder an etwas erinnert, aber trotzdem durch die Stimme von Katie White zusammengehalten wird. In einem Interview im musikexpress (März 2012, S. 32) erklären beide, dass sie eine Platte machen wollten, die ihren Hörgewohnheiten entspricht. Und das sind nun mal Playlists. Playlists verändern sich, in ihnen wechseln sich Tracks unterschiedlicher Interpreten ab, es lebt die Abwechslung.

Eigentlich ist das ein rikantes Unterfangen. Denn wenn die eigenen Hörgewohnheiten nur noch auf einzelnen Tracks, aber nicht mehr auf Longplayern basieren, warum will man denn dann überhaupt ein Album machen? Man müsste doch davon ausgehen, das die anderen sich ebenso verhalten und an einem ganzen Album gar nicht interessiert sind.

Nehmen wir den Widerspruch mal nicht so ernst und bleiben lieber bei den einzelnen Stücken. Der Opener Silence erinnert an die 80er, an OMD. Die epischen und fröhlichen Synthesizer-Klänge mag ich nicht. Hit Me Down Sony quält ein wenig mit seinen eingestreuten Glockenklängen. Absolut konträr dagegen die an die White Stripes erinnernden kurzen Gitarrenriffs zum Ende des Stücks.

Hang It Up ist ein harter, gitarrenbasierter HipHop. Geradeheraus und etwas nachdrücklich im Refrain. Give It Back könnte ein Stück der B-52’s sein. Das Stück könnte auch auf „With the Wild Crowd!: Live in Athens“ enthalten sein. Man würde nicht hören, dass hier eine andere Band spielt. Deswegen natürlich absolut klasse, auch der Wechsel beim Gesang zwischen White und De Martino. Guggenheim klingt wieder etwas nach White Stripes. Sprechgesang auf akzentuierter, spärlich eingesetzter Instrumentierung: einfaches Schlagzeug, dezidierte Gitarrenklänge. Dann ein explosiver Refrain und wieder zurück zur Basisindtrumentierung und zum Sprechgesang.

The Ting Tings: Give It Back – BBC Radio 1 Live Lounge 2012

Und dann ein nerviges Sofaquietschen, das einen an sich sehr schönen, entspannten Reggae fast kaputt macht. Soul Killing. Ja, die Seele des Songs leidet ein wenig. Das Folgestück One by One klingt nach Madonna, die primäre Synthesizer-Sequenz klingt wieder nach 80er. Die letzten drei Stücke Day By Day , Help und In Your Life sind allesamt ruhige Nummern, wobei man auf Help verzichten könnte. Ziemlich belangloses Geplätscher. In Your Life dagegen ist eindrucksvoll. Akustische Gitarre, Cello und eine ruhige, gefühlvolle Stimme.

Die Deluxe Edition enthält noch 9 Remixe, davon 4 mal Hang It Up. Kann man sich meines Erachtens nach schenken.

Also für die eigene Playlist zu empfehlen wäre Hang It Up, Give It Back und In Your Life.

Und dann sollte man sich noch „Show Your Bones“ von den Yeah Yeah Yeahs anhören. Auch wenn mich einzelne Stücke von „Sounds From Nowheresville“ immer an etwas erinnern, so kam mir das die ganze Art irgendwie auch bekannt vor. Die Stimme von Katie White ähnelt doch frappant der von Karen Orzolek. Die Yeah Yeah Yeahs sind weniger poppig, weniger elektronisch, dafür rockiger. Trotzdem gibt es da eine große Ähnlichket. Und vielleicht auch mal vergleichen mit L.E.S. Artists von Santogold.

The Ting Tings: Hang It Up

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.