Songs For Desert Refugees: Grafik von Ahmed Aboulaye Boudane (Ausschnitt)

Songs For Desert Refugees

Songs for Desert Refugees: A Compilation In Aid Of The Refugees From Nothern Mali (2012)
Songs for Desert Refugees: A Compilation In Aid Of The Refugees From Nothern Mali (2012)

A compilation in aid of the refugees from northern Mali – ein wunderschöner Sampler mit Tuareg-Bands aus der Region, aber kein erbaulicher Anlass – der Krieg in Mali. Alle Beteiligten haben unentgeltlich gearbeitet, 100 Prozent der erzielten Gewinne gehen direkt an die französischen Hilfsorganisationen Tamoudré und ETAR, die dort die Flüchtlinge unterstützen.

Wie kam es dazu? Weil die Tuareg, von denen viele als Söldner im Dienst Gaddafis standen, auf einmal arbeitslos waren, und das Machtvakuum nutzten, das nach einem Militärputsch in Malis Hauptstadt Bamako entstanden war, um für ihren alten Traum von einem Tuaregstaat im Grenzgebiet zwischen Mali, Niger und Mauretanien zu kämpfen. Und dies im Zweckbündnis mit islamisitischen Gruppen. Im Mai zerbrach die Allianz zwischen der islamistischen Ansar Dine und der säkularen MNLA (Mouvement National pour la Libération de l’Azawad; Azawad bezeichnet den nördlichen Teil Malis und besteht aus den Regionen Timbuktu, Gao und Kidal und hat eine Fläche von ca. 822.000 km² – zum Vergleich: Deutschland 357.000 km²), weil diese sich weigerte die Scharia anzuerkennen. Es kam zu Gefechten zwischen beiden Gruppen und die Ansar Dine brachte Azawad unter ihre Kontrolle und vertrieb die MNLA aus den Städten.

Tuareg-Rebellen in Mali: Stand 2012-04-01 (Wikipedia)
Tuareg-Rebellen in Mali: Stand 2012-04-01 (Wikipedia)

 

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Brennpunkte in Mali und das Exilfestival in Burkina Faso

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Bamako, Mali: 12.650000, -8.000000
Gao, Mali: 16.906633, 1.520862
Timbuktu, Mali: 16.766589, -3.002561
Aguelhok, Mali: 19.539084, 0.845947
Kidal, Mali: 18.469189, 1.461182
13th Festival au Désert: 12.545783, -1.280389

 

Nach Berichten der SZ und der Zeit gehört ein Teil der islamistischen Milizen dem internationalen Terrornetzwerk Al-Kaida an und hat inzwischen eine Schreckensherrschaft errichtet: Unverheiratete Paare werden ausgepeitscht, Dieben werden Hände amputiert, Musik ist verboten. Der UN-Sicherheitsrat plant inzwischen einen Militäreinsatz, was von der Übergangsregierung in Bamako begrüßt wird.

Touaregs at the Festival au Desert near Timbuktu, Mali 2012 (Foto: Alfred Weidinger, Wikipedia)
Touaregs at the Festival au Desert near Timbuktu, Mali 2012 (Foto: Alfred Weidinger, Wikipedia)

Seit vielen Jahren verfolge ich die Musikszene in Mali. Angefangen bei Robert Plant, der 2003 beim „Festival au Désert“ bei Timbuktu teilgenommen hat und anschließend sein Greatest Hits Album Sixty Six to Timbuktu genannt hat. Dann habe ich 2007 über Manu Chao Amadou & Mariam kennengelernt, und im gleichen Jahr stieß ich auch auf Tinariwen. Den letzten Eckpfeiler setzte Talking Timbuktu von Ali Farka Touré mit Ry Cooder.

Touré, Ali Farka: Nick Gold & Ali Farka Toure lounging outside Bogolan Studios (Foto: Jonas Karlsson, Wikipedia)
Touré, Ali Farka: Nick Gold & Ali Farka Toure lounging outside Bogolan Studios (Foto: Jonas Karlsson, Wikipedia)

Die Musik Malis war für mich von da an bestimmt durch zwei Richtungen: der eher blues-orientierten Musik aus Bamako im Süden und dem sogeannten Desert-Rock aus dem Norden. Im Süden Ali Farka Touré, Lobi Traore, Vieux Farka Touré, im Norden Tinariwen, Tamikrest, Terakraft, Tadalat, Ibrahim Djo Experience.

Traoré, Lobi: Mississippi Delta Heritage Festival 2008
Traoré, Lobi: Mississippi Delta Heritage Festival 2008

Mali präsentierte sich als moderner, friedlicher, toleranter und multikultureller Staat und als ein Quell neuer Musik: frisch, unverbraucht, traditionell, archaisch, spannend. Seit 2001 traf man sich Jährlich beim „Festival au Désert“, einer weltoffenen Veranstaltung, eines der wichtigsten kulturellen Ereignisse Afrikas. Tausende Menschen reisten aus Europa und Amerika nach Mali, um die Magie der Wüste zu erleben.

Opening moments of 2012 Festival au Desert, Timbuktu, Friday, January 13, 2012
Opening moments of 2012 Festival au Desert, Timbuktu, Friday, January 13, 2012

Die Musiker Malis waren auf der ganzen Welt Botschafter nicht nur ihrer Musik, sondern auch ihres Landes. Mali war die Ausnahme im krisengebeutelten Afrika. Die Tuaregs besangen in ihren Liedern immer wieder ihre Heimat – die Wüste – mit all den Sehnsüchten nach Freiheit und Unabhängigkeit, und präsentierten sich als stolzes Volk, das trotz seines langen Leidensweges immer noch den starken Wunsch nach einem besseren Leben in sich trägt.

Tinariwen: Live in Dublin 2012-04-12
Tinariwen: Live in Dublin 2012-04-12

Anfang 2012, nach dem „Festival au Désert“, sollte dann das bessere Leben, das Leben in Freiheit und Unabhängigkeit Realität werden. Mit Waffengewalt wollte man sich den erträumten Staat schaffen – und verlor ihn gleich wieder. Bekanntlich kann Gutes niemals aus Gewalt entstehen und jetzt ist der Schaden größer denn je.

Die 13. Ausgabe des „Festival au Désert“ findet diesmal im Exil im Nordosten von Burkina Faso, in einem Tuareg Flüchlingscamp in der Oursi Wüste statt. Vorab startet eine „Friedenskaravane“ in Mauretanien, deren Weg dann über Mali nach Burkina Faso zum Veranstaltungsort führt.

Tamikrest: Live Orange Blossom Special 2011-06-18
Tamikrest: Live Orange Blossom Special 2011-06-18

Nun nochmal zurück zum Sampler. Die Bands auf dem Sampler stammen größtenteils aus Mali (Tinariwen, Tamikrest, Terakaft, Tartit, Ibrahim Djo Experience, …), teilweise aus Niger (Bombino, Toumast, Etran Finatawa) oder Algerien (Nabil Baly Othmani, Faris). Groovender, teilweise hypnotischer Rock, elektronische Gitarren, phanatastische Percussions, phänomenaler Blues (Blues du Désert (Part 1) von Ibrahim Djo Experience), jammender Live-Auftritt (Tigrawahi Tikma von Bombino). Und das großartige Cover ist von dem aus Niger stammenden Ahmed Aboulaye Boudane. Der Sampler wird in Deutschland vertrieben von Glitterhouse, erhaltlich aber auch über Reaktion, ein Label, das spezialisiert ist für Musik aus der Sahara. Auf deren Website kann man sich relativ viele Stücke auch in voller Länge anhören.

Zum Abschluss noch ein Hörbeispiel: Ibrahim Djo Experience: Blues du Désert (Part 1); zu Beginn ein Statement von Vanessa Perumal und Manny Ansar, zuständig für die Organisation des „Exil-Festivals“ (die Musik beginnt an der von mir markierten Stelle)

 

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