Traore Lobi: Bamako Nights (Header Image)

Lobi Traore – Bamako Nights: Live at Bar Bozo 1995

Traoré, Lobi : Bamako Nights – Live At Bar Bozo 1995 (2013)
Traoré, Lobi : Bamako Nights – Live At Bar Bozo 1995 (2013)

(1995/2013) Afrikanischer Bluesrock, feurige elektrische Gitarrensoli, wirbelnde Percussionbeats. Lobi Traore steht am Beginn seiner Karriere und tritt regelmäßig in der Bar Bozo in Bamako (Mali) auf. Wahrscheinlich kein recht schmucker Ort, eher wohl ein heruntergekommener Schuppen. Aber hier trifft man sich und tanzt zu Live-Musik bis spät in die Nacht. In Mali herrscht Aufbruchstimmung, die Demokratie ist jung. Und Lobi Traore mischt seine afrikanischen Wurzeln mit westlichen Einflüssen und mixt damit einen ekstatischen Live-Cocktail, der jetzt als Mitschnitt in toller Ton-Qualität erschienen ist. Die Platte beginnt langsam mit „Ni Tugula Mogo Mi Ko“ und steigert sich nach und nach in immer intensivere Höhen. Lobi Traore ist verliebt in seine Gitarrensoli, die er durch den Einsatz eines Flanger-Pedals tranceartig verfremdet. Die Basis des Klangteppichs bildet ein sich nicht in den Vordergrund spielender Bass. Das Schlagzeug und eine Djembé hingegen unterstützen das leidenschaftliche Spiel. Erste Höhepunkte sind „Dunuya“ und „Sigui Nyongon son fo“. „Bamaku N’tichi“ bildet schließlich den fulminanten Abschluss dieses genialen Live-Mitschnitts, der mich ein wenig an Band of Gypsys von Jimi Hendrix erinnert. Vier der sieben Stücke sind über acht Minuten lang und unterstreichen den Live-Charakter dieser Platte.

This is the only thing I do

Lobi Traore verstarb 2010 im Alter von nur 49 Jahren. Bamako Nights ist somit bereits die zweite posthum erschienene Platte. Die erste war Rainy Season Blues, und deren Geschichte ist so traurig wie erzählenswert. Chris Eckman war 2008 zu Aufnahmen von Dirtmusic und Tamikrest in Bamako, als ihn Lobi Traore im Studio Bogolan (gegründet von Ali Farka Touré) besuchte. Lobi Traore war auf der Suche nach einem Produzenten für eine CD. Er hatte eine Musikkasette dabei, die er zu Hause in der Küche aufgenommen hatte. Neben der Musik waren im Hintergrund Kindergeschrei und Hundegebell zu hören. 2009, als Chris Eckman wieder in Bamako war, kam Lobi Traore wieder im Studio vorbei und drängte auf eine Aufnahme. Ohne konkrete Pläne oder Verträge wurden an einem Morgen in einem Rutsch zehn Stücke aufgenommen. Er spielte alleine mit seiner akustischen Gitarre größtenteils die Stücke, die Eckman von der Musikkasette her kannte. Zum Anhören des Aufgenommenen, für weitere Aufnahmen oder alternative Versionen blieb keine Zeit, denn Lobi Traore musste gleich anschließend auf einer Hochzeit und dann am Abend in einem Club spielen – vielleicht so wie 1995? Lobi Traore soll zu Chris Eckman gesagt haben: „This is what I do. This is the only thing I do.“

Posthum

Traoré, Lobi: Rainy Season Blues (2010)
Traoré, Lobi: Rainy Season Blues (2010)

Lobi Traore stirbt am 1. Juni 2010 in Bamako. Chris Eckman erfährt von seinem Tod durch eine Bekannte. Die Platte mit seinen Aufnahmen vom Juli 2009 erschien im September 2010, zweieinhalb Monate nach seinem Tod, unter dem Titel Rainy Season Blues. Bamako Nights (mit Band, elektrisch) und Rainy Season Blues (solo, akustisch) sind zwei gänzlich unterschiedliche Platten. Gemeinsam ist ihnen jedoch ihre Intensität. Und beide Platten sind absolut empfehlenswert. Lobi Traore war ein bemerkenswerter Musiker.

Glitterbeat

Die Entstehungsgeschichte von Rainy Season Blues führte letztlich auch zur Gründung des Glitterhouse Sub-Labels Glitterbeat, das sich vorwiegend um pulsierende („vibrant“) Musik aus Afrika kümmert. Chris Eckman ist dort Label-Manager und hat in dieser Funktion die neuen Platten von Tamikrest (Chatma) und Ben Zabo (Ben Zabo) produziert. Weiterhin gehören zum Katalog Dirtmusic (Troubles) und Samba Touré (Albala). Und im Februar erscheint Soutak von Aziza Brahim (Algerien, Marokko, Kuba, Spanien). Die Hörprobe „Julud“ klingt phantastisch (h.u.).

Hörbeispiel: Lobi Traoré – Dunuya

Hörbeispiel: Lobi Traoré – Sigui nyongon son fo

Hörbeispiel: Aziza Brahim – Julud

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