Urlaubscollagen

2008 saßen wir nach erfolgreicher Jagd nach einer Bleibe im wunderschönen Bahnhofscafe der Gemeinde Schluchsse, der Tisch voll mit Prospektmaterial aus der Tourist-Information. In diesem Moment entstand die Idee, einzelne Bilder auszuschneiden und auf einem DIN-A3 Papier als Collage neu aufzukleben. Erst ein paar Tage später, als die erste Collage fertig und fotografiert war, kam der Gedanke zum Fotodruck und somit zur eigen produzierten Postkarte – der Beginn der Tradition von Urlaubscollagen.

 

Kreta Myrtos

Kreta 2016 – Das hässliche Entlein

Urlaubscollage Kreta / Myrtos 2016Urlaub an der Südküste Kretas, zunächst in Lentas und dann in Myrtos. Abgesehen von einem schlecht gestalteten Winzig-Plakat zum Tag des Tourismus in Myrtos, dem das Mädel rechts oben und der kleine Landschaftsauschnitt unten entnommen ist, gab es rein gar kein Material, aus dem man eine Collage hätte machen können. Die Hoffnung richtete sich auf Ierapetra im Osten Kretas, der südlichsten Stadt Europas (ohne Zypern, das geographisch zu Asien gehört).

Aber alles was wir finden konnten, war ein von der Sonne schon stark ausgeblichenes Plakat einer Volkstanzgruppe und ein Plakat des Mikro Theatro Larisas, das die Aufführung des Märchens „Das hässliche Entlein“ (ΤΟ ΑΣΧΗΜΟΠΑΠΟ) von Hans Christian Andersen am 6. Oktober im Theater von Ierapetra bekannt gab. Dieses Plakat beherrschte – in unterschieldichen Größen plaktiert – das Stadtbild Ierapetras. Wenn ein Plakat hing, dann das. Also haben wir fast wider Willen ein Andersen-Plakat abgemacht und im Rucksack als Rolle verstaut. In einem Fastfood-Restaurant am Busbahnhof packten wir dann noch einen Flyer mit den Speiseangeboten ein. Die roten Zierschnörkel an den Rändern stammen von dem Fastfood-Flyer.

Zurück in Myrtos war die Not dann groß. Es hat dann ein paar Tage gedauert, bis wir uns entschlossen, aus dem dürftigen Material letztlich doch eine Collage zu machen. Wenn ich die Geschichte vom hässlichen Entlein früher nachgelesen hätte, hätte ich noch eine Ente mehr platziert.

Ausgedruckt haben wir dann in einem Laden (Photo Station) in der Fußgängerzone in Iraklion.

Kreta Sfakia

Kreta 2015 – Alexis Tsipras und Sfakia

Urlaubscollage Kreta / Sfakia 2015Chora Sfakion kennt fast jeder Kreta-Urlauber von einem Ausflug in die Samaria-Schlucht. Von Agia Roumeli, dem Endpunkt der Wanderung, fährt man in aller Regel mit dem Schiff nach Chora Sfakion, wo dann die Busse warten, die einen wieder zurück ins Hotel irgendwo auf der Insel bringen. Und Chora Sfakion ist der Verwaltungssitz der Gemeinde Sfakia (griechisch Σφακιά) im Südosten Kretas, die wiederum dem Regionalbezirk Chania zugeordnet ist.

Sfakia war die Basis des Kreta-Urlaubs 2015. Um aber an Material für die Collage zu gelangen, mussten wir natürlich die 80 Km nach Chania fahren. Die zwei Tourist-Information in Chania hatten aber nur fast ausschließlich kleinteiliges Material, das für eine A3-Collage nicht ausgereicht hätte. Aber im Eingangsberreich des Rathauses von Chania fanden wir ein großes SW-Plakat zu einer Ausstellung der Geschichte Kretas. Sofort war klar, dass die zwei Jungendlichen und die Steinmauern die Basis der diesjährigen Collage bilden sollten. Wir mussten nur noch einen günstigen Moment abwarten und schon war das Plakat unser.

Alexis Tsipras hatte kurz vorher die Wahl in Griechenland gewonnen und deshalb bringt er den Segen in Form von Nahrungsmitteln über das Land.  Tomaten, Paprika, Dakos, Choriatiki, Brot, Honig und natürlich die leckeren Papadopoulou Cookies mit Schokoladenstückchen. Die farbige Spalte in der Mitte oben zwischen den grauen Steinen ist ein Foto aus einem Prospekt über die Imbros-Schlucht, die vor dem Bau der Straße nach Chora Sfakion der wichtigste Verkehrsweg von der Nordküste Kretas (Chania) in die Provinz Sfakia an der Südküste der Insel war.

Der Ausdruck der Postkarten war diesmal kein Problem. Bereits bei unserem ersten Besuch in Chania hatten wir ein riesiges Fotogeschäft (Digital Center) in der Nähe der Markthalle entdeckt.

Karpathos

Karpathos 2014 – Collage dank Dudelsacktreffen

Karpathos 2014Karpathos ist eine karge Insel, touristisch nicht groß erschlossen. Die Hauptstadt ist Pigadia und in Pigadia gibt es z.B. Tankstellen und Bankautomaten – alles Dinge, die es auf der restlichen Insel nicht gibt. Aber es gibt keine Tourist-Information und keine Werbebroschüren. Die wenigen Reisebüros bieten Flug- und Schifffahrtspläne, aber kein Bildmaterial, mit dem wir eine Collage hätten machen können. Eine Möglichkeit zum Postkartendruck hingegen hatten wir bereits bei unserem ersten Besuch in Pigadia gefunden: ein Fotoladen, dessen Besitzer ein Musikliebhaber ist und auch eine hübsche Auswahl an CDs mit griechischer Musik hatte.

Am Hafen gibt es ein kleines Freilichttheater und dort hing in drei Metern Höhe ein veraltetes Plakat für ein internationales Dudelsacktreffen (ΔΙΕΘΝΉΣ ΣΥΝΆΝΤΗΣΗ ΆΣΚΑΥΛΟΥ ΤΣΑΜΠΟΥΝΑΣ). Dieses Plakat weckte – angesichts der fehlenden Möglichkeiten und trotz der Unerreichbarkeit – Begehrlichkeiten.

Beim nächsten Besuch in Pigadia (Tanken, Geld) streiften wir durch alle Straßen auf der Suche nach Material für eine Collage. Aber außer einem kleinen Flyer mit noch kleineren Fotos war nichts zu finden. Schließlich kamen wir wieder an der Freilichtbühne vorbei. Ohne Leiter? Und dann kam die Idee mit dem Einbeinstativ. Wenn ich das Stativ komplett ausziehe, komme ich an das Plakat herand – auch ohne Leiter.I Und nach ein paar Minuten des Herumstocherns war das Plakat von allen Reissnägeln und Tackern gelöst und wäre beim Herunterfallen wegen des Windes fast noch ins Meer geweht worden.

Wir zerlegten das Plakat dann in ein paar Einzelteile und montierten diese dann – jedoch ohne Dudelsack – anders wieder zusammen. Die kleinen Fylerbilder platzierten wir dann hinter die ausgeschnittene Silhouette von Karpathos. Zugekauft haben wir dann noch drei Postkarten (Mann, Tomaten, Frau mit Ziege).

Zum Ausdrucken fuhren wir wieder nach Pigadia (wieder auch Tanken, Geld), in den schon entdeckten Fotoladen mit dem Musikliebhaber. Das Drucken dauerte fast eine halbe Stunde und seitdem habe ich auch CDs von Eleftheria Arvanitaki und Giannis Parios. „You don’t must understand the greek lyrics. You can feel it with your skin.“

Stegna

Stegna 2013 – Callimorpha quadripunctaria rhodosensis

Stegna 2013Anders als in Methoni auf dem Peleponnes gibt es in Rhodos-Stadt – in der Nähe des Busbahnhofes – eine Tourist-Information (EOT). Deshalb galt einer unserer ersten Gänge diesem Büro in der Hoffnung, dort Prospektmaterial für eine Collage zu finden. Und die Hoffnungen wurden nicht enttäuscht. Reichlich eingedeckt mit Prospekten über Rhodos, die Dodekanes und Griechenland im Allgemeinen konnten wir uns anschließend den Sehenswürdigkeiten von Rhodos-Stadt widmen. Im weiteren Verlauf des Urlaubs fanden wir dann tatsächlich so gut wie kein weiteres Material, einmal abgesehen von einer Visitenkarte eines Minimarkets mit dem Schriftzug „Stegna“, einer Plastiktüte mit „ΡΟΔΟΣ“ und einem Prospekt aus dem „Tal der Schmetterlinge“ mit den „Russischen Bären“. Ach ja, die „2013“ stammt noch von einem Plakat mit einem Konzerthinweis. Ich hätte gerne noch den Hirsch und/oder die Hirschkuh (Elafos und Elafina) vom Mantraki-Hafen und den Koloss von Rhodos verarbeitet, aber das gab es nicht in hinreichender Qualität oder Größe.

In der zweiten Urlaubswoche entstand dann der erste Entwurf der Collage und Anfang der dritten Woche wurde dann final geklebt und ausgedruckt – in einem Fotogeschäft in Archangelos.

Bardolino

Bardolino 2012 – San Nicolo

Bardolino 2012Das Arbeiten in Bardolino war weit schwieriger als gedacht. Es gab wenige Prospekte, und diese boten letzlich auch nur eine sehr begrenzte Bildauswahl. Vorherrschend war allgemeines, nicht Gardasee-spezifisches Bildmaterial: Großaufnahmen vom Saunavergnügen, Wellnessbilder mit Gurkenmasken, Poolbilder. Die Werbung war wenig lokalisiert und letztlich beliebig. Ob die Agenturen nichts taugen oder ob es ein Trend ist, weil der Touristen Standards erwartet?

Die Collage ist dann aber doch recht schön geworden, auch weil wir Prospektmaterial anderer Garadasee-Orte eingearbeitet haben. Die Werbematerialien enthielten trotz der real vorhandenen Blütenpracht so gut wie kein Bildmaterial von Pflanzen, weshalb wir auf die an das Glücksspirale-Logo erinnernden Schmuckelemente zurückgreifen mussten. Das Ausdrucken war dann noch einmal schwieirig. Kein Laden mit Fotodrucker, keine Internet-Cafe. Den einzigen Fotodrucker in Bardolino hatte ein Fotostudio.

Neuschönau

Neuschönau 2011 – Die Bären sind los

Neuschönau 2011In Neuschönau (Bayerischer Wald) gab es wieder eine Tourist-Information und deshalb auch eine Fülle von Prospekten. Und in jedem Prospekt waren Bären: Bären stehend, laufend, liegend, kletternd. Es war klar, dass das Hauptthema der Collage diesmal die Bäen wären, auch wenn es im Bayerischen Wald genauso viele freilebende Bären gibt wie in Fürth. Bären also und Bärwurz, bzw. Bären mit Bärwurz. Klischees wollen erfüllt werden.

Die einzelnen Motive der Collage waren jetzt schon so ineinander verschachtelt, dass man vor dem Kleben den „gelegten“ Stand fotografieren musste, um ihn beim Kleben wieder rekonstruieren zu können. Vier Hände waren zudem notwendig, um alles richtig anzuordnen, zu halten, punktuell zu fixieren oder final zu kleben.

Methoni

Methoni 2010 – Plakat aus Mavromati und Postkarten

Methoni 2010„Projekt Postkarten-Collage“ war von vorneherein für den Urlaub in Methoni auf dem Peloponnes eingeplant. Endlich auch einmal anderes Material: Meer, Strände, andere Architektur. Das würde die Anmutung per se verändern. Doch weit gefehlt: es gibt keine Tourist-Information, auch sonst kaum Werbung und somit kein Material für eine Collage. Tageszeitungen in schlechter Papierqualität, das eine oder andere an Straßenlaternen getackerte, staubige Plakat oder Immobilienwerbung, auf Tintenstrahldruckern gedruckt.

Der Durchbruch kam mit einem Mikis Theodorakis-Konzert von Maria Farantouri im antiken Stadion von Messene. In Mavromati hing genau ein Plakat als Konzerthinweis, neben dem frequentierten Dorfbrunnen, fixiert mit ca. 30 Reissnägeln. Dieses Plakat bildet den Hintergrund für die Methoni-Collage. Den Rest der Motive musste ich letztlich – entgegen jeder Ehre – mit zugekauften Postkarten auffüllen. Ausnahme: der Schriftzug „ΜΕΘΩΝΗ“ stammt von einem dieser staubigen Plakate in Methoni selbst und war ca. 15x festgetackert.

Bad Mitterndorf

Bad Mitterndorf 2009 – Erzherzog Joahnn und Anna Plochl

Bad Mitterndorf 2009Als wir in der Tourist-Information in Aussee nach einer Bleibe suchen, fallen uns sofort die vielen bunten Prospekte auf. In Erinnerung an die Collagen vom Schluchsee sammeln wir alles, was es gibt, zusammen. Eine Tradition ist geboren. Wir machen ab sofort unsere Postkarten selbst.

Erzherzog Johann von Österreich heiratet 1829 die bürgerliche Anna Plochl, die aus Aussee stammt. Folglich werden beide zu Hauptfiguren der Bad Mitterndorfer Collage. Johann trägt den typischen Ausseerlandhut und Anna ist in typisch steierischer Tracht zu sehen.

Die Frau mit dem rosa Rock und die Frau im Boot werden jeweils verdreifacht. Das Prospektmaterial ist zwar vielfältig, aber dieweilen greift man auf das gleiche Bildmaterial zurück. Dem müssen wir gerecht werden.

Schluchsee 4

Schluchsee 2008 Collage 4 – Endlich ein Ende

Schluchsee 2008: Collage 4Die Rahmenbedingungen für diese Collage waren die gleichen wie für Collage 3. Beide Collagen entstanden zur gleichen Zeit. Aber man merkt schon, dass das Thema jetzt ausgereizt war.

Der Rückenbogen des Radfahrers wird aufgenommen von der Donauquelle in Donaueschingen, an dem „Mutter Baar“ ihrer Tochter, der „jungen Donau“, den Weg weist. Den Zwischenraum füllt ein menschliches Gehirn. Ganz oben im Einklang mit den Orchideen eine Figur aus dem Holzbildhauerwettbewerb in St. Blasien.

Schluchsee 3

Schluchsee 2008 Collage 3 – Immer noch kein Ende

Schluchsee 2008: Collage 3Der Urlaub am Schluchsee war zwar vorüber, aber ich hatte noch ein paar Tage frei und Collagenmaterial aus dem Schwarzwald im Gepäck. So etwas schmeißt man ja auch nicht weg. Neben einzelnen Prospekten gab es auch noch fertige Versatzstücke wie z.B. das Kind, dem man am Gesicht ansieht, dass es den Stein am liebsten auf den Tisch fallen lassen möchte, oder die beiden Gebäude, die perspektivisch so perfekt aufeinander zuliefen.

Die Erinnerung an den Urlaub, der Spaß am Kleben und die Vorfreude auf weitere Werke trieben mich quasi dazu, zwei, drei weitere Abende mit Collagen zu verbringen.

Schluchsee 2

Schluchsee 2008 Collage 2 – Schnell gelernt

Schluchsee 2008: Collage 2Prospektmaterial gibt es im Schwarzwald massenhaft. Und nach der ersten Collage hatten wir noch sehr viel Material übrig. Und Zeit hatten wir wohl auch. Also machten wir uns an die zweite Collage dieses Urlaubs, die dann auch wesentlich professioneller ausfiel. Die Übergänge der einzelnen Motive sind fließender und stärker ineinander verschränkt. Die Collage ist auch farblich sehr stimmig.

Ein Fallschirmspringer springt aus der Seilbahngondel, verschiedene Boote kreuzen die Almen, der Baum links trägt blaue Plastikballfrüchte, eine Frau kreuzt beherzt springend von einer zu anderen Ebene und die Kühe sind wie beim Almabtrieb geschmückt. Um die Ecken etwas gefälliger zu gestalten – man kennt das ja auch von „richtigen“ Postkarten – haben wir Blumen als Schmuckelemente verwendet.

Schluchsee 1

Schluchsee 2008 Collage 1 – Der Beginn

Schluchsee 2008: Collage 1Die erste Collage ist noch etwas grobschlächtig geraten. Die einzelnen Elemente stehen zum großen Teil noch ohne Bezug nebeneinander. Nette Ideen waren der explodierende Pilz und die Tellerhüte. Der jung-dynamische Schluchsee-Kapitän, das dominierende Motiv dieser Collage, hat alles im Blick. Die Schluchsee-Sonne prangt wie ein übergroßer Orden auf seiner stolzen Brust.

Nachdem wir das Foto dieser Collage in Freiburg ausgedruckt hatten, haben wir auch einen Postkartenständer in der Freiburger Innenstadt damit bestückt. Leider hat sich, solange wir da waren,  niemand für diese Postkarte interessiert. Aber die Vorstellung hat uns gut gefallen, dass jemand mit unseren Foto in den Laden geht.

 

Jetzt gehen dem eigentlichen Postkartenschreiben folgende Schritte voraus:

  • Prospekte suchen und sammeln
  • Details ausschneiden: kleine Papierschere nicht vergessen
  • Gestalten, legen, kleben: DIN-A3 Block und Kleber nicht vergessen oder kaufen
  • Fotografieren
  • Fotodrucker suchen: am besten gleich am ersten Urlaubstag damit anfangen

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