ofelgschroa: Nürnberg Bardentreffen 2014 (Header)

Kofelgschroa – Live beim Bardentreffen 2014

Die Musikpresse tut sich schwer mit der musikalischen Einordnung der Oberammergauer Band Kofelgschroa. Alpentechno, Blasmusikpop, hypnotischer Trance-Sound oder bayerische Mundart mit osteuropäischem Rhythmus? Für ihre Musik finden sich Adjektive wie buddhistisch, dadaistisch, tiefgründig, einfach, melancholisch, minimalistisch, anrührend, verträumt, valentinesk, abgedreht, entschleunigend oder einfach nur einfach.

Als die vier O’gauer am zweiten Tag des Bardentreffens (02. August 2014) auf die Bühne bei der Sebalduskirche kommen, ist der Wolkenbruch gerade eben vorbei, der einen Teil des Nachmittagsprogramms ins Wasser fallen ließ. Ihre Erscheinung ist gänzlich unprätentiös. Die Kleidung ist wie sie eben gerade ist. Unterhemd, Baumwollhemd, Sweatshirt, Turnhose, abgewetzte Jeans und ebensolche Schuhe. Jedoch nicht bewusst alt oder abgefuckt, sondern einfach nur getragen, einfach Alltag, nichts Besonderes. Die Instrumente sind auch nicht mehr die neuesten. Ein Ventil der Helikontuba von Martin von Mücke ist bereits kurz nach Konzertbeginn kaputt und muss provisorisch mit Klebeband repariert werden. Die Gitarre von Michael von Mücke (Flügelhorn, Gitarre, Maultrommel, Gesang) macht auch nicht viel her. Das Tenorhorn von Matthias Meichelböck macht eigentlich den besten Eindruck.

Fotos: Werner Gensmantel

So ned

All das ist kein Understatement sondern Unverfälschtheit im Sinne von Natürlichkeit. Hier haben sich vier Menschen getroffen, die sich in ihrer Art und ihren Grundwerten einander sehr ähnlich sind. Kaputtes wird nicht weggeworfen, sondern repariert. Geldverdienen kann kein Lebensinhalt sein. Man muss sich selbst treu bleiben. Gemeinsam ist ihnen auch ihre Wortkargheit, oder vielleicht ist es auch ein Argwohn gegen die Sprache selbst. Interviews mit Kofelgschroa erinnern an satirisches Kabarett. Einer Berliner Radiomoderatorin antwortet Maxi Pongratz (Akkordeon, Gesang) schließlich, nachdem keiner der anderen antworten will: „Warum immer reden?“ Sie hätte sich vielleicht vor dem Interview die CD anhören sollen:

Und i sog ned a so und a ned a so, ned dass irgendebbad sogn kunt i sog so, oda a so.

Kofelgschroa mit „I sog ned a so“ beim  Brauerreifest in Eichhofen am 28.07.2014

Volksmusik

Kofelgschroa präsentieren an diesem Nachmittag ihre Stücke wie man sie von der CD her kennt in typischer Volksmusikbesetzung (Tuba, Horn, Akkordeon, Gitarre), in ein- bis dreistimmigen, im bayerischen Dialekt gehaltenen Gesang. Es macht Spaß, ihnen beim Musizieren und Kommunizieren zuzuschauen.

Wortkarg sind ihre Überleitungen. Einmal macht Maxi Pongratz nach einem Satz eine so lange Pause – jeder Zuschauer sieht, dass er gerade noch nach Worten sucht – dass selbst seine Freunde auf der Bühne meinen, er wäre fertig und mit dem nächsten Stück beginnen. Maxi schaut zu Matthias: „Ich wollt eigentlich noch wos sogn.“ Achselzucken, Maxi lässt es sein.

Warum tut man sich so schwer mit der musikalischen Einordnung von Kofelgschroa? „Eigentlich ist es pure Volksmusik, die Musik ist jetzt nicht groß gebildet, von dem her spricht alles für Volksmusik, aber weil halt der Begriff Volksmusik schon für die traditionelle Volksmusik vergeben ist, ist es halt keine Volksmusik.“ (Interview mit Georg Gruber)

Also ist es Volksmusik. Volksmusik von vier Freunden, die nicht fehlerfrei spielen, sich aber auch nicht absichtlich verspielen. Sie können es halt nicht besser und lassen es sich trotzdem nicht nehmen zu spielen (ebd.). „Da trifft sich Musik, da trifft sich Poesie, und da trifft sich Unterhaltung. Und das sind alles Sachen, die ich gerne mag. Und das schöne ist, dass jeder so seine Rolle hat und dass keiner allein das eigentlich besser kann.“ (Maxi Pongratz im Film „Frei.Sein.Wollen.“)

Frei.Sein.Wollen.

Seit dem 07. August 2014 läuft in den Kinos der Dokumentarfilm Frei.Sein.Wollen. von Barbara Weber. Über sechs Jahre begleitete die Regisseurin Kofelgschroa durch die menschlichen und musikalischen Höhen und Tiefen. Der Film zeigt den Mikrokosmos von Kofelgschroa, zeigt die Anfangszeiten, die ersten Konzerte, den Alltag in Oberammergau, Matthias Meichelböck beim Architekturstudium, Michael von Mücke bei der Arbeit in der Schmiede, Maxi Pongratz in Altötting beim (Versuch eines) Musikstudium(s), Martin von Mücke als Schnitzer und Ziegenhirt.

Kofelgschroa: Frei. Sein. Wollen. (2014)
Kofelgschroa: Frei. Sein. Wollen. (2014)

Immer wieder muss man über skurrile Situationen oder Erzählungen lachen. Die vier von Kofelgschroa sind einem grundsympathisch und sind doch nicht gefeit. Auch wenn der Film an vielen Stellen sehr launig ist, zeigen sich doch immer wieder Risse in der Idylle, die wie dunkle Wolken über den O’gauer Hausberg Kofel ziehen. Was passiert, wenn Maxi keine Lieder mehr einfallen, oder Martin seine Tuba nicht mehr blasen kann?

Frei.Sein.Wollen. –  Videotrailer

Im November soll bei Trikont eine neue CD erscheinen. Der Film Frei.Sein.Wollen. sei wärmstens empfohlen. Und für die Zukunft wünscht man den Musikern von Kofelgschroa alles Gute.

Weblinks

Ein Gedanke zu „Kofelgschroa – Live beim Bardentreffen 2014“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.