Klout Score – Asoziale Blüten im Sozialen Netzwerk

Logo der Klout Inc.
Logo der Klout Inc.

Meide Freunde, die sonst keiner mag. Nehme Abstand von Bekannten, die selbst nicht im Mittelpunkt stehen. Suche Dir hingegen neue Freunde, die schon viele Freunde haben. Du wirst davon profitieren.

Wie bescheuert ist denn das?  Es gibt den Klout Score der Fa. Klout Inc., der sich als Messgröße für jedermanns sozialen Einfluss ausgibt. Von dessen Existenz habe ich erst vor ein paar Tagen erfahren. Gleich mal vorab: ich habe nicht versucht, meinen Klout Score in Erfahrung zu bringen. Ich habe nur ein paar Artikel gelesen. Mir reicht das aber, um mir eine Meinung zu bilden.

Eigentlich ist die Idee naheliegend. Jemand verknüpft die Daten von hier mit den Daten von da, hinterlegt einen Algorithmus, und liefert ein Ergebnis. In diesem Fall verküpft Klout die Präsenzen, Aktivitäten und Folgen von Sozialen Netzwerken. Accounts auf Facebook, Twitter, Google+, YoutTube werden ausgewertet hinsichtlich „sozialer Relevanz“ oder „sozialen Einflusses“.  Wieviele Posts schreibt man auf Facebook oder Google+, wieviele Tweeds oder Kommentare auf YouTube? Wieviel wird geliked, geshared, retweeded? Wieviel Freunde hat man auf Facebook, wieviele Follower auf Twitter oder in wievielen Kreisen von Google+ wurde man schon aufgenommen. Das alles wird dann irgendwie gewichtet und zusammen ergibt das dann den Klout Score, also eine Messgröße für den sozialen Einfluss, den sogenannten Social Impact.

Naheliegend ist die Idee auch deshalb, weil sie nur das Verhalten und Bestreben der sozialen Netzwerker aufgreift, nämlich möglichst präsent und wichtig zu sein. Man schreibt einen Artikel und möchte, dass dieser so oft als möglich geteilt, geliked, kommentiert wird. Der Score ist letztlich die Zahl, der Messwert oder der Key Performance Indicator (KPI – wer kennt ihn nicht aus dem beruflichen Umfeld, sobald man in einem Großunternehmenn arbeitet?), der erstmal alles klar macht.

Jetzt gibt es nur noch eines: die Score muss verbessert werden. Arbeiten in sozialen Netzwerken muss sich lohnen. Ein Opinion Leader braucht einen High Score. Deshalb werden Ratschläge gegeben, wie man seinen Klout Score verbessern kann. Z.B. soll man nur Feunde mit hohen Scores haben und sich von denen mit niedrigen trennen. Leute, die nicht zurückverfolgen, taugen nichts. Vermutlich nutzen sie einen nur für den eigenen Score und missbrauchen Dich.

Vermutlich gibt es in ein paar Jahren ein Krankheitsbild, das sich mit Klout-Süchtigen beschäftig, die rund um die Uhr zwanghaft Meldungen schreiben, deren Verteilung überprüfen und gleichzeitig argwöhnisch die Reaktionen ihres virtuellen Umfeldes beobachten.

Nebensächlich ist für mich die Intransparenz des Klout-Algorithmus, der in vielen Artikeln diskutiert wird. Die Menge von Posts hat bekanntlich nichts mit Qualität zu tun, von der sprachlichen Verstümmelung mal ganz zu schweigen. Und wer technisch versiert ist, wandelt automatisiert abonnierte RSS-Feeds in eigene Tweeds um und kann so nach Belieben viele Meldungen produzieren, ohne überhaupt vor dem Rechner zu sitzen. Und lustigerweise gibt es auch hierfür Abonnenten.

Viel interessanter und bedenklicher sind hingegen die Meldungen, die die Auswirkungen von Klout auf das reale Leben beschreiben. In den USA gibt es wohl Stellenausschreibungen, in denen bereits ein bestimmter Klout Score als Einstellungsvoraussetzung angegeben wird. (Vermutlich aber nur für Jobs aus der Kommunikationsbranche.) D.h., es gibt jetzt zwei Richtung im HR-Recruiting: Clever ist entweder der Kandidat, der möglichst wenig oder der Kandidat, der möglichst viele Spuren im Internet hinterlassen hat.

Heftig ist aber die Vorstellung, dass der Klout Score z.B. auch Auswirkungen auf Flug- oder Hotelbuchungen haben kann. Ich habe das zwar nicht weiter recherchiert. Aber für mich ist diese Vorstellung ebensowenig abwegig, wie die ursprüngliche Idee, überhaupt einen „Influencer“ Score zu entwickeln. Wenn man dieser Idee folgt, dann liegt auch die Angst vor dem Schaden nahe, die ein solcher Kommunikationsgigant anrichten kann. Wer sich am heftigsten, lautesten und jetzt auch mit der größten Reichweite beschweren kann, ist im Vorteil.

Deshalb gibt es – analog zur SEO (Search Engine Optimization) – auch die KSO (Klout Score Optimization). Der externe Berater zur Optimierung des persönlichen Social Impact.

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