Helmut Jahn: Process Progress: Ausstellung NMN 2012

Helmut Jahn – Process Progress

Helmut Jahn: Presskit NMN 2012
Helmut Jahn: Presskit NMN 2012

Wolkenkratzer, Skyscrapers assoziiert mit Betonklötzen, hässlich, feindlich und abweisend, wenn nicht auf den ersten, dann spätestens auf den zweiten, dritten  Blick. Aus der Nähe, von Innen, im Detail: grobschlächtig, brachial, undurchdacht, billig. Nach 20/30/40 Jahren zeigen sich die ersten Verschleißerscheinungen. Materialermüdung, Risse, Wasserschäden sind obligatorisch.

Ein anderes Bild vermittelt die Ausstellung „Process Progress“.

Das Neue Museum Nürnberg zeigt vom 29. November 2012 bis 24. Februar 2013 das Werk des deutsch-amerikanischen Architekten Helmut Jahn. Die Wände des quadratischen Raumes sind bestückt mit aneinandergereihten Großformatdrucken seiner imposanten Werke und bilden eine monumentale Rundum-Skyline. Im Innern des Raumes stehen symmetrisch angeordnete Glaswände und -vitrinen mit Skizzen und Modellen zu bereits realisierten und auch neuen Projekten. Ergänzt wird das ganze noch durch sechs Videostationen, die Einblick geben in die Arbeitsweise Helmut Jahns.

Helmut Jahn: Ausstellung 2012 Neues Museum Nürnberg
Helmut Jahn: Ausstellung 2012 Neues Museum Nürnberg

Jahn ging bereits 1966 nach Chicago, wurde dort Partner und später Inhaber des Architekturbüros C.F. Murphy Associates, das dann in Murphy/Jahn umbenannt wurde und seit 2012 Jahn heißt. Eines seiner Schlüsselwerke war das James R. Thompson Center im Herzen Chicagos. Es folgten weitere Bauten in New York, den gesamten USA, Europa sowie die Entwicklung von heutigen “mega big buildings” in China, Japan, Korea und Qatar, wo in Doha bis 2018 das neue Messezentrum entstehen soll.

Der erste Blick auf die Werke Jahns ist großartig. Das liegt sicherlich auch an den perfekten Aufnahmen von Rainer Viertlböck, den Jahn beauftragt hat, sein Gesamtwerk zu fotografieren. Die Wechselwirkung von Licht, das auf die Gebäunde fällt und deren Reflexion auf den Betrachter sind perfekt eingefangen. Die Gebäude sind keine plumpen Betonklötze, sondern Verwirklichung höchster Kreativität, Umsetzung außerordentlichen Formverständnisses und Visualisierung vorausgedachten Lichtspiels.

Der zweite Blick auf die Skizzen und Modelle macht klar, dass das alles kein Zufall ist. Bereits hier wird in allen Facetten imaginiert, was später realisiert werden soll. Skizzen und Modelle arbeiten Grundprinzipien und siginifikante Gestaltungsmerkmale heraus. Dabei entstehen grafische Meisterwerke, die aber nicht mehr versprechen, als später auch tatsächlich eingehalten wird. Die Veer Towers in Las Vegas (2006-2010) sind hierfür ein bestechendes Beispiel. Farbliche Anmutung und spektakuläre Statik übererfüllen sogar die skizzierten Versprechen.

Helmut Jahn: Veer Towers Skizze
Helmut Jahn: Veer Towers Skizze

Der dritte Blick richtet sich auf die Innenansichten, auf die Details. Die Ausstellung selbst bietet hierfür wenig Raum. Im Internet finden sich aber massenweise Bilder von Menschen, die sichtlich begeistert sind von den Ansichten, den Eindrücken, den Views, die sich ihnen bieten. Raumgefühl, Lichtspiel, Material, Blickwinkel – Architektur als Erlebnis, nicht als Bedrückung. Und auch die professionellen Detailaufnahmen Jahnscher Bauwerke – ob Suvanabhumi Airport in Bangkok, Sony Center in Berlin oder Mansueto Library in Chicago – zeugen von perfekt transformierter Ästhetik. Hier gehen Architekturskunst und Ingenieurskunst Hand in Hand. Form follows hier nicht Function, sondern Konstruktion wird hier dekoriert und inszeniert.

Hätte man Jahn mal auch den Augustinerhof in Nürnberg machen lassen. Eine der Glaswände und eine Videostation in der Ausstellung widmen sich diesem alten Thema, ebenso ein paar Seiten des Ausstellungskataloges.

Helmut Jahn: Augustinerhof Nürnberg - Skizze
Helmut Jahn: Augustinerhof Nürnberg – Skizze

„I only accepted this difficult commission, because it was in my birth place. The small minds, which killed it, stood in the way of progress. They did not win, since nothing happened on the site since then and a parking lot is a disgrace to the historic center of the great medieval and renaissance city. It’s not to late yet. The right ideas survive the times!“ (Helmut Jahn: Process Progress: From Drawings To Buildings, 2012)

Augustinerhof 2012-12: Kassenhäuschen
Augustinerhof 2012-12: Kassenhäuschen

1996 wurde das Jahn-Prokjekt, 1990 vom damaligen Baureferenten Walter Anderle initiiert, durch einen Bürgerentscheid abgelehnt. Seit 2008 gehört das Gelände der Nünberger Alpha-Gruppe, der Immobiliengesellschaft von Gerd Schmelzer. Den Architketurwettbewerb 2008 gewann der Berliner Architekt Volker Staab. Der für 2009 geplante Baubeginn wurde nicht gehalten. Stattdessen sind auf dem Gelände jetzt gebührenpflichtige Parkplätze.

 

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