Helmut Jahn: The Future Is Never Wrong: Vortrag im NMN am 2013-01-16

Helmut Jahn – The Future Is Never Wrong

Helmut Jahn: Lusail: Skizze aus "Progress Process"
Helmut Jahn: Lusail: Skizze aus „Progress Process“

Ein Monument wie den Eiffelturm oder das Washington Monument erschaffen – der Turm für Lusail in Katar ist der noch nicht realisierte Traum von Helmut Jahn. Am 16. Januar hielt Helmut Jahn im ausverkauften Neuen Museum Nürnberg den Vortrag „The Future Is Never Wrong“. Die Veranstaltung ergänzte die bislang erfolgreichste Ausstellung des NMN „Process Progress“ über das Schaffenswerk Jahns. Der Andrang war enorm. Die 850 Plätze waren binnen kürzester Zeit ausverkauft. Via Videoübertragung wurde der Vortrag dann am Abend aus dem Auditorium ins Foyer übertragen.

Doch erst einmal war da Enttäuschung. Die Ausstellung „Process Progress“ hatte ich gesehen und ich hatte mir von einem Vortrag „The Future Is Never Wrong“ einen Einblick in Jahns architektonischen Ausblick erhofft.

Worin liegen die künftigen Anforderungen an Architkteur? In seinem Manifesto schreibt Jahn, dass sich die Architektur weltweit in einer Übergangsphase befindet. Heute kann sie mehr als je zuvor die Ressourcen und Innovationen relevanter anderer Bereiche nutzen:

  • Fortschritt in der wissenschaftlichen Materialforschung, die neue Wege im Hinblick auf Ästhetik und Bauweisen eröffnen;
  • Neue Bautechniken, die der Formgebung von Autos, Schiffen oder Flugzeugen ähnlicher sind;
  • Konstruktionssoftware, die es ermöglicht, emotionale Werte ungleichmäßiger Geometrien zu erkunden.

Bildergalerie mit futuristischen Entwürfen von Helmut Jahn

Wir nähern uns in der Architektur lt. Manifesto immer stärker der dynamischen Außenhülle an, die sich wie die menschliche Haut den Umgebungsbedingungen anpasst. Und eine Ausarbeitung dieses Aspekts hatte ich mir von Jahns Vortrag erhofft. Stattdessen war seine Präsentation primär eine Wiederholung der Ausstellung, wobei sich die Gliederung der Werkschau streng an den Gebäudetypologien orientierte, wie er sie auf seiner Website präsentiert, allerdings in inverser Reihenfolge: Tech Lofts, Towers, Blocks und Grand Spaces – also industrielle Gebäude (z.B. US Power Plants Detroit), Türme (z.B. Messeturm Frankfurt), Blockgebäude mit prägenden Innenräumen (z.B. BEYER Headquarters) und große öffentliche Räume (z.B. Flughafen Bangkok, Sony Center)

Nur in Anmerkungen am Rande gab Jahn Einblick in das eine oder andere Detail. Aber in der Summe entstand dann doch ein nachhaltiger Eindruck über die Pionierstellung seiner Architektur. Beim aerodynamisch gestalteten Post Tower in Bonn (2003) wird die Innentemperatur durch die Aussenfassade gesteuert. Realisiert wurde dies durch eine zweischalige Fassadenkonstruktion.

Helmut Jahn: Post Tower: Bonn 2003
Helmut Jahn: Post Tower: Bonn 2003

Die voll verglasten inneren und äüßeren Hüllen ermöglichen eine natürliche Belüftung. Die Klimaregulierung erfolgt durch Luftansaugung aus dem Luftraum zwischen den Schalen durch die Fenster oder einem speziellen Anschluss am Deckenrand. Von dort wird die Luft durch einen Konvektor im Doppelboden erwärmt oder gekühlt und verteilt. Dieses Verfahren wurde dann auch in späteren Projekten wie z.B. Hegau Tower in Singen oder Sign Tower in Düsseldorf eingesetzt.

Helmut Jahn: Sign Tower Medienhafen: Düsseldorf 2010
Helmut Jahn: Sign Tower Medienhafen: Düsseldorf 2010

Bei anderen Projekten sorgt die Schuppung der Glasfront bei Sonne für Beschattung. All diese Bauten sind Meisterwerke der Energieeffizienz. Helmut Jahn bestätigt, dass gerade die Aufträge in Deutschland hohe Anforderungen an die Projektarbeit stellten und dass diese Anforderungen ihn weitergebracht hätten.

Die Glaskonstruktion des Suvarnabhumi Airport in Bangkok ist ebenfalls ein Meisterwerk an Energieeffizienz. Eine Mehrfach-Verglasung reduziert die Lichtmenge auf 30% ihrer ursprünglichen Intensität. Das Ergebnis ist ein von kontrolliertem Tageslicht durchflutetes Gebäude in einem tropischen Klima. Die verbleibende Lichtmenge reicht aus, um weitestgehend auf künstliche Beleuchtung verzichten zu können. Die Glaskonstruktion reduziert zudem ebenfalls die bei einer Glaskonstruktion normalerweise anfallende Wärme, so dass trotz tropischer Lage der Energieverbrauch für die Klimaanlagen sehr gering ist.

Helmut Jahn: Suvanabhumi Airport - Innenansicht: Bangkok 2006
Helmut Jahn: Suvanabhumi Airport – Innenansicht: Bangkok 2006

Fassadengestaltung ist eine der Kernaufgaben der Architektur. Das klingt banal. Aber das Ziel ist die Annäherung an die biologische Anpassungsfähigkeit der menschlichen Haut. Hier geht es weit über statische Herausfoderungen hinaus. Sogar so weit, dass Archtitektur so konzipiert wird, dass Teile des Gebäudes später ausgetauscht werden können, wenn sich die Technologie weiterentwickelt hat,

Imagine The Future

Am Ende seines Vortrags präsentierte Jahn seinen Traum für Burj Al Shua: ein 500 Meter hoher, aus dem Wasser ragender Turm als Zeichen für Lusail, Dohar und Katar. Lusail ist ein Urbanisierungs-Projekt entlang der Ostküste unmittelbar nördlich der Stadt Doha, der Hauptstadt von Katar.

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Doha

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Doha 25.425392, 51.504496

Den Turm erreicht man über eine monumentale Rampe, deren Weg über dem Wasser beginnt und unter Meereshöhe im Zentrum des Towers endet. Der spirituelle und kontemplative Weg ist für Menschen, die Barrieren überwinden wollen. Das Innere ist ein 500 Meter hoher Raum, gefüllt mit dem Licht der Sonne und dem Geräusch des Windes. Die Oberfläche ist mit reflektierendem Silber und Gold beschichtet, den Abschluss bildet ein transparenter Glaskegel. Die nachfolgende Animation bildete den Abschluss seines Vortrags.

Jahn: „We should make the future possible.“

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