Dürer, Albrecht: Selbstbildnis im Pelzrock (1500)

Dürers „Selbstbildnis im Pelzrock“, Nofretete und der Pergamonaltar

Dürer, Albrecht: Selbstbildnis im Pelzrock (1500) Quelle: Wikipedia
Dürer, Albrecht: Selbstbildnis im Pelzrock (1500) Quelle: Wikipedia

Am „Selbstbildnis im Pelzrock“ von Albrecht Dürer (1500), das für die Ausstellung des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg (GMN) aus der Alten Pinakothek in München ausgeliehen werden sollte, entfachte sich mal wieder der Streit zwischen den Franken und der Landeshauptstadt München. Die Münchner verwiesen auf eine Sperrliste, wonach das „Selbstbildnis“ per se nicht ausgeliehen werden könne, zudem sei es beschädigt und nicht transportfähig. Man bot sogar die Möglichkeit vergünstigter Bahnkarten für Besucher des GMN nach München an. Die Diskussion ist jetzt vorbei: das Bild ist nicht transportfähig.

Man mag das als Provinzposse abtun. Ist es aber nicht.

Die Franken fühlen sich schon immer gegenüber München benachteiligt. Wo fließt das meiste Geld hin? Nach München. Regionales, lokales Selbstbewusstsein, das seine Identität nicht in der größeren Einheit findet.

Und dann bedarf es nur einer Kleinigkeit um alle empfundenenn Ungerechtigkeiten emotional wieder nach oben zu spülen. Politiker beziehen dann Position und drohen. So kündigte der CSU-Landtagsabgeordnete Karl Freller sein „Nein“ zum großen Prestigeobjekt Münchner Musiksaal an, sollte der Dürer nicht für die Dauer der Ausstellung nach Franken ausgeliefert werden.

Alte Geschichten werden ausgegraben, wonach die Münchner das Bild nur aufgrund eines Betrugs „erworben“ haben. Abraham Wolfgang Küfner wurde 1805 beauftragt, eine Kopie des Gemäldes für München anzufertigen. Dummerweise bekamen die Münchner das Original und die Nürnberger die Kopie. Hat man nur leider viel zu spät bemerkt. 200 Jahre später will Robert Gattenlöhner (Parteivorsitzender der Partei „Die Franken“) eine Strafanzeige wegen Betrugs gegen die Wittelsbacher Stiftung für Kunst und Wissenschaft stellen.

Ein sich immer wieder wiederholendes Muster

Nofretete: Quelle: Wikipedia
Nofretete: Quelle: Wikipedia

Worin besteht denn z.B. der Unterschied zum Anliegen Ägyptens, die Büste der Nofretete wieder zurückzufordern? Der ägyptische Chefarchäologe Hawass ist der Auffassung, der deutsche Entdecker der Büste, Ludwig Borchardt, hätte die Verantwortlichen in Kairo damals getäuscht. Hagen Philipp Wolf, der Sprecher des Kulturstaatsminister Bernd Neumann rechtfertigt sich mit „Fundteilung“, wonach der damalige preußische Staat zum rechtmäßigen Eigentümer der Nofretete wurde.

Welcher Politiker, der sich für die Rückgabe des Dürers nach Nürnberg einsetzt, würde sich für die Rückgabe der Nofretete nach Kairo einsetzen?
Das Pergamonmuseum gar müsste seinen Namen ändern, denn der türkische Kulturminister Ertugrul Günay fordert die Rückgabe des Pergamonaltars.

Erfahrene Ungerechtigkeit – wenn nicht sogar Gewalt – und Nationalbewusstsein. Eine gefährliche Mischung.

Ich plädiere für das Prinzip „Verjährung“. Verjährung ist meines Wissens nach zwar im Zivilrecht verankert, aber was spricht denn dagegen, dies weiter zu fassen? Das „Selbstbildnis im Pelzrock“ hängt in München, die Nofretete und der Pergamonaltar ist in Berlin.

Ähnlich sehe ich diese ganzen politischen Diskussionen im Umfeld von „Zurück zu den Grenzen von …“. Auch hier Ungerechtigkeiten, weniger in Form von Betrug denn in Form von Gewalt.

Für mich gibt es auf abstrakter Ebene keinen Unterschied zwischen den fränkischen Dürer-Forderungen, den ägyptischen Nofretete-Forderungen, den türkischen Pergamon-Forderungen und den Gebietsansprüchen von Heimatvertriebenen. Welche Zeit, welche Eigentumsverhältnisse, welche Grenzen sind frei von Ungerechtigkeit?

Der fränkische Dürer als Blaupause der Weltgeschichte.

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