Der Schmuggler

Die Suche nach dem Unsinn im Sinn – Monty Python Abend live in der Kofferfabrik

Monty Python traten im Juli 2014 mit einer Reunion-Show in der Londoner O2-Arena auf. Mick Jagger meinte dazu lakonisch in einem Werbespot, sie seien eine Gruppe runzeliger alter Männer, die versuchen, ihre Jugend wieder aufleben zu lassen und damit viel Geld zu verdienen. Das lässt sich von der jungen Truppe sicher schwerlich behaupten, die unter der Regie von Earl Enis Kanke an drei Abenden hintereinander in der Kofferfabrik Sketche von Monty Python auf die Bühne brachte. Aber funktionieren die Witze auch ohne die inzwischen „runzeligen alten Männer“ John Cleese, Michael Palin, Eric Idle, Terry Jones, Terry Gilliam und den inzwischen verstorbenen Graham Chapman?

Nach Michael Palins Dafürhalten waren die Zuschauer in der Anfangszeit des Monty Python’s Flying Circus Leute mit Schlafstörungen, Intellektuelle und arbeitslose Einbrecher. Später waren Monty Python Kult, aber dennoch keine Stars der breiten Öffentlichkeit. Zu abgedreht war ihr Humor, und dazu „very british“. Dieser Humor galt als nicht übertragbar und schon gar nicht als übersetzbar.

Alfred Biolek, der legendäre Moderator (u.a. „Bio’s Bahnhof“, „Bei Bio“ oder „Mensch Meier“) brachte Monty Python 1971 nach Deutschland und produzierte zwei Staffeln, die unter dem Titel „Monty Python in Deutschland“ gesendet wurden. Die Unternehmung war aus besagten Gründen wenig erfolgreich und heute finden sich kaum noch Spuren davon.

Fotos: Werner Gensmantel

Die Sketche, die Sue Rose, Oliver Dauwalter, Tobias Lux und Earl Enis Kanke aka Tim Steinheimer (die beiden Letzteren auch bekannt als Musiker der angesagten Rock’n’Roll- und Bluesband „Deine Mutter“) jetzt auf die Bühne der Kofferfabrik brachten, stammten fast ausschließlich aus der Zeit des Flying Circus und teilweise auch aus dem Repertoire der deutschen Staffeln.

Bereits zu Beginn der Aufführung wird klar, dass alle Bedenken unnötig waren. Das junge Ensemble hat sich an dem großen Vorbild nicht verhoben und das Publikum erweist sich Monty Python tauglich . Um nur drei der wechselnden Szenen herauszugreifen, brillieren Tobias Lux und Sue Rose sprachlich, mimisch und gestisch souverän bei der Kilimandscharo-Expedition, Sue Rose und Oliver Dauwalter im Schmuggler-Sketch und wiederum Tobias Lux und Sue Rose in „Dieser Papagei ist tot“.

Fotos: Werner Gensmantel

Bei allen Sketchen wird der menschliche Verstand vergnüglich an der Nase herumgeführt. Die Stücke spielen mit bekannten Situationen. Jeder weiß wie ein Friseurbesuch, eine Reklamation im Laden oder auch ein Gangster funktionieren. Der Verstand wird ins Vertraute gelockt, um ihm dann eine lange Nase zu drehen – permanent passiert das, was er nicht erwartet. Die Szenen verweigern sich in ihren Drehungen und Wendungen der Einordnung, der Setzkasten an möglichen Realitäten wird auf den Kopf gestellt.

Fotos: Werner Gensmantel

Die schauspielerischen Leistungen von Sue Rose, Oliver Dauwalter und Tobias Lux sind umso höher zu bewerten, als Earl Enis Kanke deutlich spartanischer inszeniert als die britische Comedy-Gruppe. Ohne große Kulisse und mit nur wenigen Requisiten ist das Dargebotene die Essenz des Absurden. Nichts lenkt den Zuschauer ab vom Wahnsinn hinter den dicken Brillengläsern von Sue Rose, wenn sie den mordlustigen Friseur gibt. Phänomenal schließlich Tobias Lux und Oliver Dauwalter als schwerhöriger Hörgeräteverkäufer Dr. Bender und als blinder Kontaktlinsenverkäufer Herr Köhler.

Die Suche nach dem Unsinn im Sinn: Plakat für den Monty Python Abend in der Kofferfabrik
Die Suche nach dem Unsinn im Sinn: Plakat für den Monty Python Abend in der Kofferfabrik; Design von Marius Langsocke

Die Suche nach dem Unsinn im Sinn war erfolgreich, die Darbietung auch.

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