Bombino (2013)

Bombino – Nomad

Bombino: Nomad (2013)
Bombino: Nomad (2013)

Bombino, der Tuareg-Gitarrist aus dem Niger, veröffentlichte nach Group Bombino – Guitars from Agadez (2009) und Agadez (2011) mit Nomad seine dritte Platte. Produziert wurde die Platte von Dan Auerbach in dessen Studio in Nashville. Nomad klingt deshalb wohl auch um einiges westlicher als die Vorgänger. Die Musik ist dynamischer, rockiger, prägnanter. Die Musik basiert freilich noch auf dem afrikanischen Desert Rock, die Wurzeln sind klar erkennbar.

Bombino (*1980) stammt aus Agadez und musste bereits Anfang der 90er Jahre zusammen mit seiner Familee wegen einer Tuareg Rebellion zu Verwandten nach Algerien fliehen. Dort lernte er autodidaktisch Gitarrespielen und orientierte sich – Anekdoten zufolge – an Jimi Hendrix und Mark Knopfler. Zumindest bestimmt er heute als Gitarrist und Frontmann die Musik seiner Band ebenso wie seine vermeintlichen Vorbilder. 1997 kehrte er wieder in den Niger zurück und begann sein Leben als professioneller Musiker. 2007 kam es wieder zu Unruhen der Tuareg im Niger. Bombino kämpfte zunächst auf der Seite der Rebellen, ging dann aber ins Exil nach Burkina Faso. Dort lernte er den Filmemacher Ron Wyman (ZeroGravity Films) kennen, der es ihm ermöglichte, sein zweites Album Agadez in den Vereinigten Staaten aufzunehmen.

Bombino (2013)
Bombino (2013)

Und nun also das dritte Album und ebenfalls wieder in der USA aufgenommen. Produziert diesmal von Dan Auerbach, der mit seiner Zwei-Mann-Band „Black Keys“ für satten Rock- und Gitarrensound bekannt ist. Das Album beginnt mit dem phänomenalen „Amidinine (My Friend)“. Es erinnert von seinem Groove und Gitarrensoli her an „Tar Hani“ aus dem Album Agadez, ist aber erheblich saftiger, griffiger und rockiger. Ein absoluter Hit, den ich im Moment nicht oft genug hören kann.

„Amidine“ ist auch ein gutes Beispiel dafür, wier sehr sich die Musik Bombinos verändert hat, natürlich auch oder gerade mit dem Produzenten Auerbach. Denn „Amidine“ war – zusammen mit „Imuhar“ – bereits in traditionellerer Version auf Guitars From Agadez enthalten.

Bombino vor der Moschee in Agadez (2010)
Bombino vor der Moschee in Agadez (2010)

Ein weiterer Gassenhauer ist das dritte Stück „Azamane Tiliade“. Fetter Gitarrensound, ein treibender Schlagzeugrhythmus und verhallter Gesang legen einem nahe, den Lautstärkeregler deutlich aufzudrehen. Weiter mit „Imuhar“ – etwas zurückhalteder, den Schlagzeugrhythmus von eben aufgreifend, teilweise mit Xylophon – der Laustärkeregler bleibt also. Beim Instrumental „Niamey Jam“ ist dann auch Dan Auerbach am Bass zu hören. Und weil bei diesem Stück fast die ganze Studiounterstützung mitspielt, steht wohl das „Jam“ im Titel. Dennoch eher eintönig und langweilig.

Ruhiger, besinnlicher und wunderschön dann wieder „Her Tenere“. „Full of nostalgia, in the desert, without water, I was sitting, meditating, On the problems facing the desert.“ Für eine Meditation ist es aber vielleicht einen Tick zu Schnell? Dann schon eher „Imidawen“. Fast schon ein wenig countryartig ist da die akustische Gitarre. Auf jeden Fall sehr relaxt.

Dann wird etwas obskur. Bei „Aman“ schleicht sich nach zwei Minuten eine Slidegitarre ein, die einfach nicht zu dieser Musik passt. Der Schluss der Platte ist dann ganz schlimm. Die Pedal Steel Guitar und der Schubidu-Gesang klingen nach Strandbarmusik auf Hawaii. (Erinnert mich an „Energie“ von Trio: „Vom Grand Hotel weht der Nachtwind hin und wieder einige Takte Tanzmusik herüber. Zu viel Nerv, gib mir Energie, zu viel Nerv, Oh woman rescue me.“)

Dan Auerbach und Bombino (2013)
Dan Auerbach und Bombino (2013)

Wer dieses Stück wohl zu verantworten hat? Tat hier Dan Auerbach des Guten zu viel oder weist hier Bombino in seine musikalische Zukunft? Hoffentlich nicht.

Hörbeispiel: Bombino – Azamane Tiliade + Amidinine (Nomad)

Hörbeispiel: Bombino – Tar Hani (Agadez)

Weblinks:

 

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