Brahim, Aziza: la voix des Sahraoui (2014)

Aziza Brahim – Soutak

Brahim, Aziza: Soutak (2014)
Brahim, Aziza: Soutak (2014)

Soutak, das neue Album von Aziza Brahim, erschienen im Februar 2014, ist ein weiteres aktuelles Stück afrikanischer Exilmusik. Tamikrest flohen aus Mali und nahmen ihr letztes Album Chatma (September 2013) ebenso im Exil auf wie Tinariwen ihr neues Album Emmaar (Februar 2014).

Aziza Brahim, geboren und aufgewachsen in den Flüchtlingslagern entlang der Grenze zwischen Algerien und der Westsahara, floh nach der Besetzung der Westsahara durch Marokko im Jahr 1975 nach Algerien, ging dann zum Studium nach Kuba, kehrte in die Saharawi-Lager Algeriens zurück, bevor sie 2000 nach Spanien auswanderte. Aziza Brahim’s Soutak ist ihr Debut bei Glitterbeat, wurde von Chris Eckman produziert und in Barcelona im Juni 2013 aufgenommen.

Map of the Moroccan Wall in Western Sahara (Quelle: Wikipedia)
Map of the Moroccan Wall in Western Sahara (Quelle: Wikipedia)

Soutak ist ein Desert Blues Album. Aber im Unterschied zu Tinariwen, Tamikrest, Bombino oder Lobi Traoré spielen E-Gitarren keine Rolle. Die Musik – außer einem E-Bass – rein akustisch, geht emotional unter die Haut. Nachdrücklich, intensiv, klagend, liebevoll, expressiv ist die Stimme und Intonation von Aziza Brahim. Unterstützt wird Aziza Brahim (akustische Rhythmus Gitarre und T’bal, die traditionelle Saharawi-Handtrommel) durch Kalilou Sangare aus Mali (akustische Gitarre), den Spaniern Nico Roca (Drums) und Guillem Aguilar (Bass) und ihrer Schwester Badra Abdallahe (zweiter Gesang).

Das Album beginnt mit „Gdeim Izik“ (auch „Dignity Camp“ oder „Camp der Würde“). Es ist der Name eines Protestlagers der Sahraui, der Bewohner der Westsahara, nahe der Grenze zu Marokko. 2010 wollten die Sahraui mit diesem Camp für die Unabhängigkeit der Westsahara von Marokko demonstrieren. Das Camp wurde nach kurzer Zeit von marokkanischen Sicherheitstruppen gestürmt und markierte den Beginn des arabischen Frühlings. „Gdeim Izik“ ist Aziza Brahims persönliches Denkmal an diesen Moment:

„I witnessed the horror and the future that the voices accuse you of / I saw the young victims in your prisons of death / Proof of this are the events of Gdeim Izik“

Hörbeispiel: Aziza Brahim – Gdeim Izik

Soutak bedeutet im Arabischen so viel wie „Deine Stimme“. Aziza Brahim gibt der Bevölkerung der Westsahara ihre Stimme, einer nomadischen Kultur, die nicht mehr zu unseren heutigen Staatengebilden passt. Sahrauis, Tuaregs oder Kurden – um nur einige zu nennen – sind gremzüberschreitende Parallelgesellschaften und liegen wie ein Layer über unseren heutigen Landkarten.

Das zweite Stück „Julud“ ist der Mutter von Aziza Brahim gewidmet. Ein enorm expressives Lied und für mich der beste Song des Albums. Aziza Brahim besingt die Stärke ihrer Mutter, die schwanger in ein   Sahraui-Flüchtlingslager nach Algerien floh, während ihr Vater in El Aaiun blieb und dort verstarb. Aziza Brahim hat ihren Vater niemals gesehen.

„You are like the night and the stars / Your voice goes beyond the top of the clouds / You are the smiling breeze of today / You are the example of humanity and of fight“

Aziza Brahim – Julud

Die Musik auf Soutak ist eine fantastische Mischung verschiedener Musikkulturen und präsentiert afrikanische, arabische und spanische Elemente, alles zusammengehalten von Aziza Brahim’s einzigartiger Stimme.

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