Alle Beiträge von Werner

The Ting Tings – Sounds From Nowheresville

Ting Tings: Sounds from Nowheresville (Deluxe Edition) (2012)
Ting Tings: Sounds from Nowheresville (Deluxe Edition) (2012)

Eine Platte wie eine Playlist – die unterschiedlichsten Stile wechseln sich ab. Elektropop, HipHop, Reggae, Rock. Verbindend ist aber die Stimme von Katie White. The Ting Tings sind Katie White (Gesang, Gitarre) und Jules De Martino (Schlagzeug, Gitarre, Gesang), die mit ihrem ersten Album „We Started Nothing“ einigen Erfolg hatten. Shut Up And Let Me Go lief in einem iPod-Spot.

„Sounds From Nowheresville“ ist ihr zweites Album. Die Entstehungsgeschichte war wohl etwas kompliziert. White und De Martino zogen nach Berlin, um sich von der Statdt für ihr neues Album inspiriern zu lassen. Aber das, was sie dort aufnahmen, hat ihnen nicht gefallen. Zu beliebig. So beschlossen sie die fast fertigen Aufnahmen zu „Kunst“ – so hätte das Album heißen sollen – zu löschen. Und sie gingen in die spanische Provinz, um dort einen neuen Anfang zu machen.

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Josh Weil – Das neue Tal

Weil, Josh: Das neue Tal (2011)
Weil, Josh: Das neue Tal (2011)

Stillman Wing lebt in den Blue Rich Mountains in Virginia und ist 71 Jahre alt, als ihn der Juniorchef Pfersick nach Hause schickt. Zu alt sei er. „Ruhestand, dachte er, und beendete den Gedanken mit einem unaussprechlichen Gemisch aus allem Möglichen von Scheißdreck bis Arsch“. Er kann nicht verstehen, dass der Seniorchef Les Pfersick dies zulässt. Aus Wut klaut er nachts einen alten Traktor vom Hof, wo er 50 Jahre Mechaniker war, einen Deutz, MTZ222, Baujahr 1928, seinem Geburtsjahr.

So beginnt die Novelle des 1976 in den Blue Rich Mountains geborenen Autors Josh Weil. Eine faszinierende, tragische und verstörende Erzählung. Stillman Wing ist ein rüstiger Alter zu Beginn der Geschichte. Er macht sich daran, den alten verrosteten und verrotteten Traktor in seinem Schuppen wieder herzurichten. Je mehr er den Deutz jedoch zu neuem Leben erweckt wird, desto mehr schwindet sein Leben.

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Die Türen – ABCDEFGHIJKLM … – Wortspielpoprock

Türen: ABCDEFGHIJKLMNO PQRSTUVWXYZ (2012)
Türen: ABCDEFGHIJKLMNO PQRSTUVWXYZ (2012)

„Rentner und Studenten“ – das erste Stück auf der Platte – kann stellvertretend für den Rest der Platte stehen, nicht musikalisch, aber textlich. Mein erster Eindruck war der an einer kritischen Gesellschaftsaussage interessierten Band. Alleine schon die Titel legen das nahe: „Schwarz-Gelbes Unterseebot“ (Politik), „Pop ist tot“ (Musik-Bunsiness) oder „Don’t google yourself“ (Internet). Da springt man sofort an, die Themen sind auf der Höhe der Zeit, man ist interessiert. Dann liest und hört man noch die eine oder andere Kritik mit Songzitaten und greift zu.

Diese erste Erwartung wird aber nicht erfüllt. Es gibt – zumindest oberflächlich gesehen – keine Aussage, denn im Vordergrund steht die Wortakrobatik. Und da ist Maurice Summen, Sänger bei „Die Türen“, ein Meister. Die Texte haben etwas Dadistisches, eher aber etwas Willkürliches.

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Klout Score – Asoziale Blüten im Sozialen Netzwerk

Logo der Klout Inc.
Logo der Klout Inc.

Meide Freunde, die sonst keiner mag. Nehme Abstand von Bekannten, die selbst nicht im Mittelpunkt stehen. Suche Dir hingegen neue Freunde, die schon viele Freunde haben. Du wirst davon profitieren.

Wie bescheuert ist denn das?  Es gibt den Klout Score der Fa. Klout Inc., der sich als Messgröße für jedermanns sozialen Einfluss ausgibt. Von dessen Existenz habe ich erst vor ein paar Tagen erfahren. Gleich mal vorab: ich habe nicht versucht, meinen Klout Score in Erfahrung zu bringen. Ich habe nur ein paar Artikel gelesen. Mir reicht das aber, um mir eine Meinung zu bilden.

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Dürers „Selbstbildnis im Pelzrock“, Nofretete und der Pergamonaltar

Dürer, Albrecht: Selbstbildnis im Pelzrock (1500) Quelle: Wikipedia
Dürer, Albrecht: Selbstbildnis im Pelzrock (1500) Quelle: Wikipedia

Am „Selbstbildnis im Pelzrock“ von Albrecht Dürer (1500), das für die Ausstellung des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg (GMN) aus der Alten Pinakothek in München ausgeliehen werden sollte, entfachte sich mal wieder der Streit zwischen den Franken und der Landeshauptstadt München. Die Münchner verwiesen auf eine Sperrliste, wonach das „Selbstbildnis“ per se nicht ausgeliehen werden könne, zudem sei es beschädigt und nicht transportfähig. Man bot sogar die Möglichkeit vergünstigter Bahnkarten für Besucher des GMN nach München an. Die Diskussion ist jetzt vorbei: das Bild ist nicht transportfähig.

Man mag das als Provinzposse abtun. Ist es aber nicht.
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Tom Waits – Bad As Me

Tom Waits: Bad As Me (2011)
Tom Waits: Bad As Me (2011)

Vor vielen Jahren war ich mit Freunden auf Kreta. In Paleochora, im Südwesten, gab es eine Taverne, die zum Camping-Platz außerhalb des Ortes gehörte. Die Taverne hatte eine wunderschöne Terasse, das Meer war gleich daneben. Fast immer wenn wir an der Taverne vorbeikamen – und das war oft, weil wir noch etwas weiter außerhalb wohnten – kehrten wir ein. Nachmittags, Abends, Nachts. Und immer lief Musik – fast immer das selbe: Die Stones oder Tom Waits.

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John Mayall & The Bluesbreakers – 70th Birthday Concert

John Mayall & The Bluesbreakers and Friends: Eric Clapton, Chris Barber, Mick Taylor: 70th Birthday Concert (2003)
John Mayall & The Bluesbreakers and Friends: Eric Clapton, Chris Barber, Mick Taylor: 70th Birthday Concert (2003)

Über diese Platte bin ich bei meinen Weihnachtseinkäufen gestolpert – und bin begeistert. John Mayall & The Bluesbreakers kenne ich seit ca. 1980, da aber nur die Platten aus den 60er Jahren. Alles was danach kam hatte ich nicht mehr wahrgenommen (außer einem ziemlich schlechten Live-Mitschnitt aus dem Jahre 1969, der 2004 erschien). 2003 – also auch schon wieder einige Jahre her – feierte John Mayall seinen 70ten Geburtstag mit einem Konzert in Liverpool, bei dem ihm alte Bekannte aus den frühen Bluesbreakers-Tagen unterstützten: Eric Clapton und Mick Tayler. Außerdem dabei die Jazzkoryphäe Chris Barber.

Das Konzert erschien als Doppel-CD, als CD/DVD-Kombination mit einer Auswahl der Stücke und auch als Blu-ray. Die Musik, die Tonqualität der Aufnahme, die Energie des Konzertes ist fantastisch. Mit 70 Jahren und nach 40 Jahren im Musikgeschäft ist John Mayall hier ein in jeder Hinsicht erstaunliches Stück Musikgeschichte gelungen.

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Andreas Gursky und die Bestattung von Kim Jong Il

Andreas Gurski: Pyongyang I
Andreas Gurski: Pyongyang I

Einige westliche Nachrichtenagenturen haben gemeldet, dass die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA ein mehrfach manipuliertes Bild von der Trauerfeier für den verstorbenen Diktator Kim Jong Il verbreitet hat. KCNA ließ eine Gruppe von sechs Personen mit einer Filmkamera am linken Bildrand verschwinden, die nicht zur makellosen Symmetrie der trauernden Massen zu passen schien.

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Sigurd Kämpft – Wiederveröffentlichung von „da Elefant is fertig“

Sigurd Kämpft: da Elefant is fertig (1981)
Sigurd Kämpft: da Elefant is fertig (1981)

Reiner Zufall, dass ich das entdeckt hatte. Trikont hat im Oktober 2010 die zwei LPs von Sigurd Kämpft („da Elefant is fertig“ 1981 und „Pfui Pfui“ 1983) als Doppel-CD wiederveröffentlicht. Sozusagen auch eine 30th anniversary edition. Das hat mein Herz höher schlagen lassen, gibt es doch viele nette Erinnerungen rund um diese Platte und an die damit verbundene Zeit. Nur die Insider kannten den Feinkost Würmlein und das „s’zwoafuchzger büffet“. Rambazamba everywhere!

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