Andreas Gursky und die Bestattung von Kim Jong Il

Andreas Gurski: Pyongyang I
Andreas Gurski: Pyongyang I

Einige westliche Nachrichtenagenturen haben gemeldet, dass die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA ein mehrfach manipuliertes Bild von der Trauerfeier für den verstorbenen Diktator Kim Jong Il verbreitet hat. KCNA ließ eine Gruppe von sechs Personen mit einer Filmkamera am linken Bildrand verschwinden, die nicht zur makellosen Symmetrie der trauernden Massen zu passen schien.

Der „Schwindel“ flog auf, weil die japanische Agentur Kyodo von einem ähnlichen Standpunkt aus fotografiert hatte. Siehe hierzu den NZZ Online Artikel „Nordkoreas Agentur lässt Personen auf Foto verschwinden„.

Bestattung von Kim Jong Il ohne Retusche durch KCNA (Kyodo)
Bestattung von Kim Jong Il ohne Retusche durch KCNA (Kyodo)

Beim nächsten Mal sollte man Andreas Gursky mit der Retusche beauftragen. Erinnert sei an die Werke „Pyongyang I“ bis „Pyongyang V“ aus dem Jahr 2007. Diese zeigen Feierlichkeiten zu Ehren Kim Il Sung in der nordamerikanischen Hauptstadt Pjönjang.

Aus der Vogelperspektive erkennt man in der Horizontale aufgereihte Personen, die sich im Mittelgrund strahlenförmig um einen Globus anordnen. Im Hintergrund formen tausende von Menschen durch das Hochhalten farbiger Schilder ein riesiges Blumenornament. Es ist unübersehbar, dass hier das Kollektiv und nicht die Individualität zählt.

Bestattung von Kim Jong Il mit Retusche durch KCNA
Bestattung von Kim Jong Il mit Retusche durch KCNA

Mit Gursky wäre die Trauerfeier bestimmt imposanter geworden. Sechs Personen weg und dafür ein paar Tausend in Hab Acht Stellung stehende Soldaten mehr. Das wär’s gewesen.

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