Alexander von Falkenhausen: Künstler im Gespräch - Kunsthaus Nürnberg (2015)

Alexander von Falkenhausen – Aufzeichnungen und Parkstücke

Die Fontänenbilder von Alexander von Falkenhausen haben ihren Ausgangspunkt im Fürther Stadtpark. Dort war er auf regelmäßigen Spaziergängen inspiriert, seine erste Fontäne auf grünem Hintergrund zu malen. Von Falkenhausen, 1970 in Nürnberg geboren, studierte zu dieser Zeit an der Nürnberger Akademie der Bildenden Künste. Seit 1998 lebt und arbeitet von Falkenhausen in Offenbach und malt noch immer – Fontänenbilder. 46 Exemplare davon wurden in der Ausstellung Zeichen und Wunder II – Positionen zeitgenössischer Zeichnung vom 15. Januar bis 15. März 2015 im Kunsthaus Nürnberg gezeigt.

Die Ausstellung, die neben den Bildern von Alexander von Falkenhausen auch Werke von Jürgen Krause (Frankfurt), Susanne Roth (Fürth) und Matthias Ströckel (Nürnberg) gezeigt hat, wurde kuratiert vom Fürther Künstler Andreas Oehlert. Mit Zeichen und Wunder II knüpfte er an die gleichnamige Ausstellung im Jahr 2012 an. Der Fokus der Ausstellung lag diesmal auf den Aspekten der Wiederholung und der ritualisierten Prozesse sowie auf den Prinzipien der Serie und Variation.

Alexander von Falkenhausen: Besucher der Ausstellung "Zeichen und Wunder 2" im Kunsthaus Nürnberg
Alexander von Falkenhausen: Besucher der Ausstellung „Zeichen und Wunder 2“ im Kunsthaus Nürnberg

Foto: Werner Gensmantel

Von Falkenhausen beschränkt sich bei seinen Bildern auf ein einziges Motiv – das der Fontäne. Er verwendet ausschließlich das mit der ersten gemalten Fontäne aus dem Fürther Stadtpark festgelegte Format 15 x 10,5 cm und benutzt seit damals die gleiche Technik und dieselben Materialien – Gouache auf Papier, das auf Holz oder Sperrholz aufgebracht wird. Alle Bilder erhalten einen gleichen, selbstgefertigten Rahmen aus Karton.

Alexander von Falkenhausen: Fontäne aus dem Fürther Stadtpark – der Beginn der Serie Parkstücke
Alexander von Falkenhausen: Fontäne aus dem Fürther Stadtpark – der Beginn der Serie Parkstücke

Foto: Werner Gensmantel

Die Varianten der Fontäne sind unendlich. Die bildliche Darstellung bezieht sich immer nur auf den Wasserstrahl, der in jedem Moment anders ist. Und doch – so von Falkenhausen – hat jede Fontäne ein Charakteristikum, das es herauszuarbeiten gilt: Die Form, die Dichte, die Stärke des Wasserstrahls, der in jedem Licht, in jedem Moment anders erscheint, ergeben zusammen so etwas wie einen Fingerabdruck, der jede Fontäne zu etwas Einmaligen macht. Von Falkenhausen hält diesen Fingerabdruck zunächst mit seiner Digitalkamera fest, die er immer bei sich trägt.

Alexander von Falkenhausen: Gesammelte Fontänen
Alexander von Falkenhausen: Gesammelte Fontänen – Foto-Collagen

Foto: Werner Gensmantel

Aufzeichnungen und Parkstücke

Von Falkenhausen überträgt diesen Fingerabdruck auf einen seiner grünen Hintergründe. Dabei unterscheidet er zwischen Aufzeichnungen und Parkstücken. Bei den Aufzeichnungen bildet ein geometrisches Muster die Struktur des Hintergrundes, bei den Parkstücken bildet Blattwerk die Struktur – wobei das Naturalistische hier deutlich zurückgenommen erscheint. In beiden Fällen bleibt ein abstrakt-ornamenthafter grüner Grund. Bei dem Fontänenbild, das den Beginn der Reihe bezeichnet, dem Bild mit der Fontäne aus dem Fürther Stadtpark also, handelt es sich um ein Parkstück.

Jedes Bild besteht letztlich aus zwei Realitätsebenen: einem statischen Hintergrund und einem dynamischen Vordergrund. Die Zuordnung von Fontäne zu Hintergrund erfolgt zufällig und in spontaner ästhetischer Bewertung.

Gleichzeitig erscheint das Vorgehen Alexander von Falkenhausens im Ganzen strukturiert und planvoll. Jederzeit wisse er, „was wann dran ist“. Im Winter male er die geometrischen Aufzeichnungen, im Sommer die organischen Parkstücke. Und pro Bild brauche er vielleicht acht Stunden, aber „so“ – wie von Falkenhausen sagt – „wird nicht gemalt. Jeden Tag vielleicht eine Stunde“.

Bildergalerie: Aufzeichnungen

Fotos der Bildergalerie: Werner Gensmantel

Im Rahmen der Veranstaltung „Künstlerinnen und Künstler im Gespräch“ versicherte Alexander von Falkenhausen auf die Frage eines Besuchers, dass er Fontänen weder erfinden noch nach eigener Laune modifizieren würde. Eine andere Kunstinteressierte wollte wissen, ob man ihm mit der Zusendung von Fotos selbst entdeckter Fontänen eine Freude machen würde. Von Falkenhausen bestätigte, dass er schon fremde Quellen, z.B. Baumarktkataloge verwendet habe.

Allerdings könnte das Zusenden von Urlaubsbildern schwierig werden, da Alexander von Falkenhausen – von seiner Digitalkamera einmal abgesehen – nach eigenem Bekunden ein durch und durch analoger Mensch sei und beispielsweise keinen PC habe.

Bildergalerie: Parkstücke

Fotos der Bildergalerie: Werner Gensmantel

Im weiteren Gespräch konnte von Falkenhausen durchaus glaubhaft machen, dass er Spaß an seiner Arbeit habe und diese als abwechslungsreich empfinde, auch wenn er seit über 20 Jahren Fontänenbilder male.

So verwehrte er sich gegen den Ansatz Andreas Oehlerts, Kurator der Ausstellung, sein Werk mit der Arbeit von Roman Opalka zu vergleichen, der bis zu seinem Tod 2011 fortlaufend Zahlen malte. 1965 begann Opalka seine Werkserie „1965 / 1–∞“ links oben mit einer in weiß gemalten Eins auf einer dunkel grundierten Leinwand. Der Hintergrund wurde dann im Laufe der Jahre immer heller, bis er schließlich weiße Zahlen auf weißen Grund malte. (siehe hierzu Anmerkung 1)

Insbesondere diese späten Arbeiten Opalkas empfindet Alexander von Falkenhausen selbst als sehr trostlos. Sie sind nicht vergleichbar mit den vielfältigen Variationen und Spielarten seines Schaffens.

Roman Opalka: 1–∞, Art Stations Foundations Poznań (2010)
Roman Opalka: 1–∞, Art Stations Foundations Poznań (2010)

Foto: Piotr Żyliński

Roman Opalka: 1965/1–∞: Detail 4832244 - 4848049 (Ausschnitt)
Roman Opalka: 1965/1–∞: Detail 4832244 – 4848049 (Ausschnitt)

Foto: Werner Gensmantel

Anmerkungen

(1): Laut einem Interview von Donatien Grau mit Roman Opalka vom 08. August 2011 war er jedoch nie bei einem reinen Weiß angekommen, denn er mischte in jede neue Hintergrundfarbe ein Prozent der Farbe des vorangegangenen Bildes. Somit befand sich auch im letzten Bild ein winziger, homöopathischer Anteil des ursprünglichen Schwarz. Die letzte Zahl, die er malte, war die 5607249.
„Jedes Werk findet ein Ende“: Interview Donatien Grau mit Roman Opalka: Monopol – Magazin für Kunst und Leben, 2011-08-08, http://www.monopol-magazin.de/artikel/20103203/interview-roman-opalka.html

Bildnachweis

Das Titelbild ist eine digitale Collage aus einer Aufzeichnung und einem Porträtfoto. Fotos und Collage: Werner Gensmantel

Alle sonstigen Bilder von Werner Gensmantel mit Ausnahme von „Roman Opalka: 1–∞, Art Stations Foundations Poznań (2010)“: Foto von Piotr Żyliński:
http://magazyn.o.pl/2011/jaromir-jedlinski-roman-opalka-w-strone-nieskonczonosci/roman-opalka-oktogon-infin-art-stations-foundation-poznan-2010

Weblinks

 

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